Onuba in Andalusien: Was hinter Südeuropas größter Wasserstoff-Anlage steckt
In der andalusischen Provinz Huelva entsteht ein Projekt, das die Energiewende ein Stück greifbarer macht. In Palos de Frontera hat das Energieunternehmen Moeve den Bau der Anlage „Onuba“ gestartet – nach eigenen Angaben die derzeit größte Produktionsstätte für grünen Wasserstoff in Südeuropa.
Was bedeutet das konkret? Und warum ist gerade dieses Vorhaben auch für Deutschland spannend? Wir schauen uns die Fakten an, ordnen die Chancen ein und werfen einen ehrlichen Blick auf die Kritik. Dazu betrachten wir zwei Unternehmen, die in künftigen Phasen eine Rolle spielen könnten.
Das erwartet dich:
- Die wichtigsten Eckdaten des Projekts Onuba
- Der Umgang mit Energie und Wasser
- Die langfristige Vision des Andalusian Green Hydrogen Valley
- Kritische Stimmen und offene Fragen
- Die mögliche künftige Rolle von Nel ASA
- Warum auch Cavendish Hydrogen im Blick bleibt
Das Projekt im Überblick
Onuba beginnt nicht klein. Bereits die erste Ausbaustufe ist eine Investition in Milliardenhöhe und setzt auf beachtliche technische Leistung. Die zentralen Kennzahlen im Überblick:
- Investition: rund 1 Milliarde Euro in der ersten Phase
- Leistung: ein Elektrolyseur mit 300 Megawatt
- Produktion: etwa 50.000 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr
- CO₂-Ersparnis: nach Angaben der spanischen Regierung rund 250.000 Tonnen jährlich
- Förderung: 304 Millionen Euro aus dem EU-Aufbauprogramm „Next Generation EU“
- Produktionsstart: voraussichtlich zum Jahreswechsel 2027/2028
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez stellt das Projekt als Beitrag zum Klimaschutz und zur industriellen Zukunft des Landes dar. Für Deutschland ist es besonders relevant, weil grüner Wasserstoff als möglicher Energieträger für schwer elektrifizierbare Bereiche gilt – etwa für die Stahl-, Chemie- oder Raffinerieindustrie.
Energie und Wasser: der Ansatz von Onuba
Grüner Wasserstoff verdient seinen Namen nur, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Genau darauf setzt Onuba: Der Wasserstoff soll ausschließlich mit Wind- und Solarenergie erzeugt werden. Andalusien bietet dafür ideale Bedingungen mit viel Sonne und Wind.
Wasser aus dem Kreislauf
Ein Detail verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Elektrolyse benötigt große Mengen an reinem Wasser – ein sensibles Thema in einer trockenen Region. Statt zusätzliches Frischwasser zu entnehmen, soll die Anlage aufbereitetes Abwasser aus Haushalten und Wirtschaft nutzen. Dieser Ansatz soll den Druck auf die knappen lokalen Wasserreserven verringern.
Die langfristige Vision: Andalusian Green Hydrogen Valley
Onuba ist nur der Anfang. Die Anlage ist Teil eines deutlich größeren Vorhabens mit dem Namen „Andalusiens grünes Wasserstoff-Valley“. In einer zweiten Phase sind eine Erweiterung in Palos de Frontera sowie eine weitere Produktionsstätte in San Roque in der Provinz Cádiz geplant.
Die Ausbauziele sind ambitioniert:
- Gesamtleistung: ein Wachstum auf bis zu 2.000 Megawatt
- Jahresproduktion: perspektivisch rund 300.000 Tonnen grüner Wasserstoff
- Export: geplante Lieferungen per Pipeline an energieintensive Industrien in Europa, darunter Deutschland
Damit möchte Spanien wegen seiner guten Wind- und Solarbedingungen zu einem wichtigen europäischen Produktionsstandort werden.

Kritische Perspektiven: offene Fragen bleiben
So groß die Erwartungen sind, so berechtigt sind einige Einwände. Projekte dieser Art werden gern als Meilensteine gefeiert, doch aus ökonomischer, ökologischer und logistischer Sicht gibt es ernstzunehmende Gegenargumente. Ein sachlicher Blick lohnt sich.
1. Wasserknappheit in einer Dürreregion
Andalusien leidet seit Jahren unter Dürren und sinkenden Grundwasserständen. Die Wasserstoffproduktion konkurriert damit indirekt mit der ohnehin wasserarmen Landwirtschaft. Der Einsatz von aufbereitetem Abwasser ist ein sinnvoller Ansatz. Kritiker bezweifeln jedoch, ob sich solche Lösungen flächendeckend skalieren lassen, ohne die lokale Wasserlage zu verschärfen.
2. Hohe Effizienzverluste
Physikalisch betrachtet ist Wasserstoff ein aufwendiger Energieträger. Bei der Umwandlung von Ökostrom in Wasserstoff, dem Komprimieren, dem Transport über weite Strecken und der späteren Nutzung gehen bis zu 60 bis 70 Prozent der ursprünglichen Energie verloren. Wo möglich, ist die direkte Nutzung von Ökostrom deutlich effizienter.
3. Hohe Kosten und Subventionsabhängigkeit
Grüner Wasserstoff ist in der Herstellung weiterhin um ein Vielfaches teurer als der aus Erdgas gewonnene „graue“ Wasserstoff. Das Milliardenprojekt in Huelva ist maßgeblich durch staatliche Hilfen tragfähig, darunter die genannten 304 Millionen Euro EU-Förderung. Ohne dauerhafte Subventionen oder gesetzliche Abnahmequoten gibt es aktuell nur wenige Abnehmer, die den Aufpreis zahlen wollen.
4. Transport und Infrastruktur
Spanien plant den Export langfristig über Pipelines wie den europäischen Korridor H2Med. Der Aufbau solcher länderübergreifenden Infrastruktur kostet Milliarden, dauert viele Jahre und bringt technische Hürden mit sich. Wasserstoff ist extrem flüchtig und greift Metalle an – ein Effekt, den man als Wasserstoffversprödung bezeichnet. Der Transport ist damit deutlich anspruchsvoller als bei Erdgas.
Die mögliche künftige Rolle von Nel ASA
Für die erste 300-Megawatt-Phase steht das Konsortium bereits fest: Die Elektrolyseure kommen von Thyssenkrupp Nucera (alkalische Technologie) und Siemens Energy (PEM-Technologie). Der norwegische Spezialist Nel ASA ging hier zunächst leer aus. Für kommende Phasen ergibt sich jedoch ein anderes Bild.
- Massive Erweiterung: Das Valley soll bis auf 2 Gigawatt wachsen. Für die geplante 105-MW-Erweiterungsphase ab 2027 hat das Moeve-Management angekündigt, verstärkt auf PEM-Technologie zu setzen und neue Ausschreibungen zu starten.
- Etablierter Marktakteur: Nel ASA ist in Spanien kein Unbekannter und hat unter anderem ein Memorandum of Understanding mit dem Energiekonzern Iberdrola geschlossen.
- Modulare Großsysteme: Mit standardisierten Plattformen, etwa dem gemeinsam mit Saipem entwickelten 100-MW-Modulsystem, zielt Nel darauf, die Planungskosten bei Gigawatt-Projekten zu senken.
Kurz gesagt: Für die erste Teilanlage ist die Entscheidung gefallen. Da der spanische Markt jedoch schrittweise in die Gigawatt-Dimension wächst, bleibt Nel ASA ein möglicher Kandidat für künftige Ausbauphasen und Folgeprojekte.
Cavendish Hydrogen: der Blick auf die Betankung
Ein weiteres Unternehmen könnte auf ganz andere Weise profitieren. Cavendish Hydrogen ist die ehemalige Tankstellensparte von Nel ASA, die im Sommer 2024 als eigenständiges Unternehmen an die Börse abgespalten wurde. Während sich Nel auf Elektrolyseure konzentriert, baut Cavendish die Infrastruktur zur Betankung – also Wasserstoff-Tankstellen für Lkw, Busse und Pkw.
Der Hebel durch den spanischen Baustart
Große Mengen an grünem Wasserstoff brauchen Abnehmer und Verteilwege. Genau hier ergeben sich mögliche Chancen:
- Tankstellennetz: Moeve betreibt Hunderte Tankstellen in Spanien und Portugal und wandelt diese schrittweise in nachhaltige Mobilitätshubs um, unter anderem für den Wasserstoff-Schwerlastverkehr.
- Verkehrskorridore: Spanien plant Wasserstoff-Frachtkorridore für den Lkw-Verkehr nach Mitteleuropa. Für die dafür nötige Betankungstechnik ist ein spezialisierter Anbieter gut positioniert.
- Verbindung zu Nel: Nel ASA hält weiterhin eine strategische Minderheitsbeteiligung. Gewinnt Nel künftig Aufträge für Elektrolyseure, könnte Cavendish bei der nachgelagerten Tankstellen-Infrastruktur ins Spiel kommen.
Ein Hinweis für Anleger
Bei aller operativen Perspektive gilt für Cavendish Hydrogen dasselbe wie für den gesamten Wasserstoffsektor: Das Unternehmen schreibt noch Verluste und hängt stark vom Tempo der Logistikbranche ab. Ein reiner Baustart einer Produktionsanlage garantiert noch keine direkten Umsätze. Er liefert jedoch das Fundament – die Verfügbarkeit von günstigem Wasserstoff –, damit ein solches Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann.
Fazit: ein Leuchtturm mit offenen Fragen
Onuba zeigt beispielhaft, wohin die europäische Energiewende steuern könnte. Das Projekt bündelt hohe Investitionen, klare Klimaziele und den Wunsch, Spanien als Wasserstoff-Standort zu etablieren. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen: Wie nachhaltig lässt sich der Wasserbedarf decken? Wie wirtschaftlich wird grüner Wasserstoff ohne dauerhafte Förderung? Und wann steht die nötige Transportinfrastruktur bereit?
Die kommenden Ausbaustufen werden viel darüber verraten, welche Technologien und welche Unternehmen sich durchsetzen. Es lohnt sich, die Entwicklung in Andalusien weiter zu verfolgen – als spannendes Beispiel dafür, wie Anspruch und Wirklichkeit der Wasserstoffwirtschaft aufeinandertreffen.
KI-Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt. Die inhaltliche Grundlage bilden ein vorbereiteter Text und die im Quellenverzeichnis genannten Angaben; die redaktionelle Aufbereitung, Strukturierung und Formulierung erfolgte KI-gestützt und wurde anschließend geprüft.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlage-, Finanz-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Angaben zu Projektdaten, Kosten, Zeitplänen, Fördermitteln, Unternehmen und Marktentwicklungen können sich jederzeit ändern und sind ohne Gewähr; maßgeblich sind stets die offiziellen und aktuellen Quellen. Aussagen zu möglichen künftigen Partnerschaften oder Geschäftschancen von Nel ASA und Cavendish Hydrogen sind Einordnungen und Zukunftsszenarien, keine Prognosen oder Handlungsempfehlungen. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Prüfe eine Investitionsentscheidung stets eigenverantwortlich und ziehe bei Bedarf fachkundigen Rat hinzu.

