Warum ich Wasserstoff-Aktien ewig halten will – und trotzdem regelmäßig kaufe und verkaufe
Warum ich Wasserstoff-Aktien ewig halten will – und trotzdem regelmäßig kaufe und verkaufe

Warum ich Wasserstoff-Aktien ewig halten will – und trotzdem regelmäßig kaufe und verkaufe

Ich investiere seit einiger Zeit in Wasserstoff-Aktien – konkret in Nel ASA, Cavendish Hydrogen und Plug Power. Dabei habe ich mir eine Strategie aufgebaut, die langfristige Überzeugung mit aktivem Handeln kombiniert. Mein Ansatz lautet: „Für immer halten“, aber dennoch bei starken Anstiegen Teilgewinne mitnehmen und Rücksetzer für Nachkäufe nutzen.

In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, warum ich an das Thema Wasserstoff glaube. Wir schauen uns an, was die drei Unternehmen machen und wie ich meine persönliche Ewigkeits-Strategie in der Praxis umsetze.

Warum Wasserstoff für mich ein Langfrist-Thema ist

Wasserstoff bietet die Möglichkeit, fossile Energieträger in Bereichen zu ersetzen, in denen eine reine Elektrifizierung schwer umsetzbar ist. Dazu zählen die Stahlproduktion, die Chemieindustrie, der Schwerlastverkehr und die Nutzung als Langzeitspeicher.

Regierungen in Europa, den USA und Asien haben ehrgeizige Förderprogramme und Strategien für grünen Wasserstoff aufgelegt. Langfristig sollen Milliarden in die Infrastruktur fließen. Allerdings kommen viele Projekte langsamer voran als gehofft. Diese Verzögerungen haben sich in den letzten Jahren sehr deutlich in den Kursen der Wasserstoff-Aktien widergespiegelt.

Für mich bedeutet das: Der Zeithorizont ist der entscheidende Faktor. Ich erwarte keine Wunder innerhalb weniger Quartale. Stattdessen betrachte ich Wasserstoff als eine mehrjährige, vielleicht sogar jahrzehntelange Strukturstory. Extreme Schwankungen auf diesem Weg sind für mich völlig normal.

Warum ich Wasserstoff-Aktien ewig halten will – und trotzdem regelmäßig kaufe und verkaufe
Warum ich Wasserstoff-Aktien ewig halten will – und trotzdem regelmäßig kaufe und verkaufe

Meine drei Wasserstoff-Werte im Überblick

Aktie Rolle im Ökosystem Kurzprofil
Nel ASA Elektrolyse & H2-Tankstellen Norwegischer Spezialist für Elektrolyseure und Wasserstoff-Tankstellen. Deckt weite Teile der Wertschöpfungskette ab.
Cavendish Hydrogen Wasserstoff-Tankstellen Fokus auf Entwicklung und Betrieb von H2-Tankinfrastruktur für Fahrzeuge. Eigenständige Gesellschaft mit Sitz in Oslo.
Plug Power Brennstoffzellen & H2-Ökosystem US-Unternehmen, das Brennstoffzellen, Elektrolyseure und ein eigenes Wasserstoff-Netzwerk aufbaut. Aktuell noch deutlich defizitär.

Nel ASA

Nel ASA bietet Elektrolyseure zur Herstellung von grünem Wasserstoff an und baut Tankstellen, an denen Fahrzeuge ähnlich schnell wie bei fossilen Kraftstoffen betankt werden können. Nach einer Phase großer Euphorie ist der Aktienkurs in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Wachstum und Profitabilität blieben hinter den sehr hohen Erwartungen zurück.

Gleichzeitig arbeitet Nel an neuen Elektrolyse-Plattformen und kooperiert mit starken Industriepartnern. Das Ziel ist es, Kosten zu senken und größere Projekte zu gewinnen. Für mich bleibt Nel ASA deshalb ein solider Basiswert in meinem Wasserstoff-Depot.

Cavendish Hydrogen

Cavendish Hydrogen fokussiert sich rein auf H2-Tankstellen für Autos, Busse und Lkw und ist an der Börse in Oslo gelistet. Das Unternehmen ist jünger, kleiner und befindet sich noch tief in der Verlustzone. Das macht die Aktie extrem volatil.

Spannend finde ich hier, dass Cavendish eine reine Wette auf die Infrastruktur der Wasserstoff-Mobilität darstellt. Das Unternehmen agiert somit als sehr fokussierter „Pick-and-Shovel“-Spieler im Markt.

Plug Power

Plug Power möchte ein vollständig integriertes Wasserstoff-Ökosystem aufbauen. Das reicht vom Elektrolyseur über Brennstoffzellen-Anwendungen in der Logistik und in Rechenzentren bis hin zu regionalen H2-Hubs. Das Unternehmen verzeichnet aktuell hohe Verluste, setzt aber einen strikten Plan um, um die Kosten massiv zu senken und schrittweise in Richtung Profitabilität zu steuern.

Die Strategie zielt darauf ab, über Projekte in der Industrie, Logistik und bei Datencentern in wachsende Märkte vorzudringen, die auf lange Sicht ein enormes Potenzial bieten.

Meine persönliche Strategie: „Ewig halten“ mit System

Ich erwähne oft, dass ich Wasserstoff-Aktien „für immer“ halten möchte. Damit meine ich einen sehr langfristigen Ansatz ohne feste Exit-Deadline. Innerhalb dieses festen Rahmens handle ich jedoch aktiv.

1. Nachkaufen im Abwärtstrend

In der Vergangenheit habe ich während Abwärtstrends regelmäßig in kleinen Tranchen nachgekauft. So konnte ich meinen durchschnittlichen Einstiegskurs effektiv senken. Damit verfolge ich drei Hauptziele:

  • Psychologisch: Ich akzeptiere, dass ich den absoluten Tiefpunkt fast nie treffe. Stattdessen kaufe ich schrittweise in die Schwäche hinein.
  • Mathematisch: Ein niedrigerer Einstandskurs erleichtert es mir enorm, eine Position bei späteren Erholungen teilweise mit Gewinn zu verkaufen.
  • Risiko: Ich kaufe ausschließlich in gut verteilten, kleinen Beträgen nach. So binde ich nicht zu früh zu viel Kapital.

Ich weiß, dass dieser Ansatz gefährlich ist, falls ein Geschäftsmodell dauerhaft scheitert. Aus diesem Grund investiere ich nur Geld, dessen Verlust ich gut verkraften kann. Das Totalverlust-Risiko in diesem Hochrisikosektor ist mir stets bewusst.

2. Teilverkäufe bei Kursanstiegen

Trotz meines sehr langfristigen Ansatzes plane ich bei deutlichen Kursanstiegen stets, einen Teil meiner Position zu verkaufen. Das erfüllt für mich drei wichtige Funktionen:

  • Gewinne realisieren: Nach starken Kursrallys sichere ich mir bewusst einen Teil der entstandenen Buchgewinne.
  • Volatilität nutzen: In einem Sektor mit extremen Preisausschlägen ist es logischer, Schwankungen aktiv zu nutzen, anstatt stur alles zu halten.
  • Emotionen reduzieren: Wenn ich bereits Gewinne gesichert habe, betrachte ich anschließende Rücksetzer wesentlich gelassener.

Ich setze mir vorab grobe Zielbereiche (zum Beispiel +30% oder +50% vom letzten Nachkaufpreis), in denen ich über Teilverkäufe nachdenke. Das mache ich ohne starre Automatismen, aber mit einer klaren Orientierung.

3. Rücksetzer für neue Käufe nutzen

Wenn nach einer Rally wieder stärkere Kursrücksetzer auftreten, nutze ich diese Phase gerne für neue kleine Käufe. Das ist im Grunde eine Art persönliches Rebalancing innerhalb meines Themen-Depots.

Teuer verkaufen und günstiger zurückkaufen – ohne den Anspruch auf absolute Perfektion. Mein Ziel ist lediglich ein über die Zeit verbessertes Chance-Risiko-Verhältnis. Meine Gesamtposition im Wasserstoff-Sektor bleibt dabei groß, aber die konkrete Stückzahl schwankt abhängig von den vorangegangenen Kursbewegungen.

Risiken, die ich bewusst in Kauf nehme

So verlockend die langfristige Geschichte auch klingt: Wasserstoff-Aktien sind und bleiben Hochrisiko-Titel. Es gehört für mich zur vollen Transparenz, dies offen und ehrlich zu benennen:

  • Geschäftsmodell-Risiko: Aktuell verdienen die meisten Akteure in diesem Bereich wenig bis gar kein Geld. Strategien können scheitern und notwendige Kapitalerhöhungen verwässern den Wert für bestehende Aktionäre.
  • Zins- und Förderrisiko: Reduzierte Förderprogramme oder höhere Finanzierungskosten können wichtige Projekte verzögern oder sie gänzlich unrentabel machen.
  • Konkurrenz: Große Energie- und Industriekonzerne entwickeln zunehmend eigene Lösungen. Das erhöht den Druck auf die Margen der reinen Wasserstoff-Unternehmen enorm.

Für mich persönlich bedeutet das: Ich betrachte Wasserstoff als Satelliten-Baustein in meinem Depot und nicht als Kerninvestment. Ich stelle mich auf lange Durststrecken und starke Rückgänge ein. Zudem mische ich verschiedene Geschäftsmodelle (Elektrolyse, Infrastruktur, Brennstoffzellen), um das Einzelrisiko bestmöglich zu streuen.

Fazit: Warum ich trotzdem bei Wasserstoff dabeibleibe

Trotz aller bisherigen Rückschläge bin ich weiterhin fest davon überzeugt, dass Wasserstoff langfristig eine tragende Rolle in unserem Energiesystem spielen wird. Unternehmen wie Nel ASA, Cavendish und Plug Power haben eine gute Chance, von diesem gewaltigen Trend zu profitieren. Meine Strategie halte ich dabei bewusst einfach:

  • Ein langfristiger Anlagehorizont ohne ein fixes Enddatum.
  • Gestaffeltes Nachkaufen in offensichtlichen Schwächephasen.
  • Teilverkäufe bei kräftigen Anstiegen, um ausreichend Cash für den nächsten Rücksetzer aufzubauen.
  • Volle Transparenz mir selbst gegenüber: Es handelt sich um spekulative, hochvolatile Investments mit einem echten Totalverlustrisiko.

Mit diesem Ansatz kann ich das spannende Thema Wasserstoff in meinem Depot abbilden, ohne mich jeden Tag von Kursschwankungen verrückt machen zu lassen. Gleichzeitig nehme ich aktiv an den enormen Ausschlägen nach oben und unten teil.

Disclaimer / Risikohinweis

Die Inhalte dieses Artikels stellen ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen und Meinungen dar und sind keine Anlageberatung. Sie sind weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Tätigen von Investments.

Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Wertpapiere, insbesondere im Bereich Wasserstoff und anderer Zukunftstechnologien, unterliegen teils erheblichen Kursschwankungen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist jederzeit möglich.

Treffen Sie Ihre Anlageentscheidungen immer eigenverantwortlich und nach eigener gründlicher Recherche. Lassen Sie sich im Zweifel zusätzlich von einer unabhängigen, professionellen Stelle (z.B. einer Bank- oder Anlageberatung) beraten, bevor Sie investieren.

Von Igor Adolph

Igor Adolph ist Unternehmer, Blogger und E-Commerce-Experte aus Mülheim an der Ruhr. Auf datenstaubsauger.de schreibt er über Kryptowährungen, Wasserstofftechnologie, Domainhandel und neue Geschäftsmodelle. Als ehemaliger Geschäftsführer der e-Trado GmbH verbindet er langjährige Praxiserfahrung mit einem Blick für digitale Trends.

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