Strategy Dividendenaktie: Unterschied zwischen Stammaktie und Hochdividenden-Vorzugsaktien
Strategy (ehemals MicroStrategy) ist längst mehr als ein Software-Unternehmen – der Konzern gilt als einer der aggressivsten Bitcoin-Hebel der Börse. Gleichzeitig lockt Strategy Anleger mit mehreren Vorzugsaktien, die zweistellige „Dividenden“ versprechen. Doch was unterscheidet die Stammaktie von den neuen Hochdividenden-Vorzugsaktien STRK, STRF, STRE & Co. – und welches Risiko steckt dahinter?
Für einkommensorientierte Anleger wirkt das wie ein Traum: 8 bis 11 Prozent Ausschüttungsrendite, teilweise sogar in Euro. Doch als erfahrener Investor ist klar: Diese Renditen sind keine Geschenke, sondern eine Risikoprämie für ein hochkomplexes, Bitcoin-getriebenes Konstrukt.
Strategy: Vom Softwareanbieter zum Bitcoin-Hebel
Strategy hat sich in den letzten Jahren systematisch vom klassischen Softwareanbieter hin zu einem de-facto-Bitcoin-Investmentvehikel entwickelt. Ein großer Teil der Bilanz besteht aus Bitcoin-Beständen, die mit Fremdkapital und Aktienemissionen aufgebaut wurden.
Für Anleger bedeutet das: Wer die Strategy-Stammaktie kauft, wetten nicht in erster Linie auf Software-Umsätze, sondern auf die langfristige Entwicklung und Liquidität des Bitcoin-Marktes. Entsprechend extrem fallen Kursbewegungen in beiden Richtungen aus.
Mehr zu Bitcoin & Krypto findest du auch im Blogartikel auf datenstaubsauger.de, wo regelmäßig Strategien rund um digitale Assets und alternative Investments beleuchtet werden.
Stammaktie vs. Vorzugsaktie: Grundlegende Unterschiede
Stammaktie von Strategy: Reines Bitcoin-Proxy ohne Dividende
Die Stammaktie von Strategy (WKN 722713, ISIN US5949724083) zahlt aktuell keine Dividende. Der gesamte Fokus liegt auf Kursentwicklung und Hebelwirkung der Bitcoin-Positionen im Unternehmensvermögen.
Aktionäre der Stammaktie besitzen Stimmrechte und profitieren im Erfolgsfall überproportional von steigenden Bitcoin-Kursen – tragen aber auch das volle Risiko, wenn der Markt dreht oder die Kapitalstruktur unter Druck gerät.
Vorzugsaktien: Fester Coupon statt Stimmrechte
Die neuen Strategy-Vorzugsaktien (Preferreds) funktionieren eher wie hochverzinsliche Unternehmensanleihen im Aktienmantel. Sie bieten einen festen oder definierten Coupon auf 100 Einheiten Nennwert (Dollar oder Euro) und werden planmäßig ausgeschüttet – meist quartalsweise.
- Fester oder variabler Coupon von etwa 8 bis 11 Prozent p.a. auf 100 Nennwert.
- In der Regel keine Stimmrechte, dafür Vorrang bei Dividenden vor der Stammaktie.
- Nachrangig gegenüber Anleihen und anderen Senior-Verbindlichkeiten im Insolvenzfall.
Die Vorzugsaktien zielen also vor allem auf Anleger, die laufende Cashflows suchen – und bereit sind, dafür das Emittenten- und Bitcoin-Risiko von Strategy zu tragen.
Die wichtigsten Strategy-Vorzugsaktien im Überblick
STRK – 8 % „Strike“ Preferred
STRK ist die 8-Prozent-Vorzugsaktie von Strategy, die einen festen Coupon von 8 Prozent pro Jahr auf 100 Dollar Nennwert vorsieht. Daraus ergeben sich 8 Dollar jährlich bzw. 2 Dollar pro Quartal, die in bar ausgeschüttet werden, sofern der Vorstand die Dividende erklärt.
Historische Daten zeigen einen klaren Quartalsrhythmus mit Ex-Dividenden-Tagen Mitte März, Juni, September und Dezember, während die Auszahlung typischerweise zum Monatsende erfolgt.
STRF – 10 % „Strife“ Preferred
STRF ist die offensivste Dollar-Vorzugsaktie von Strategy mit einem Coupon von 10 Prozent pro Jahr auf 100 Dollar Nennwert. Anleger erhalten somit 10 Dollar pro Jahr bzw. 2,50 Dollar pro Quartal je Aktie – ebenfalls als Bardividende.
Ein entscheidender Punkt: STRF ist kumulativ. Ausgefallene Dividenden verfallen nicht, sondern stapeln sich und müssen nachgezahlt werden, bevor Stammaktionäre wieder Dividenden erhalten. Das erhöht den Investorenschutz, zeigt aber zugleich, wie angespannt die Lage sein kann, wenn Zahlungen ausgesetzt würden.
STRC – „Stretch“ Preferred mit variabler Hochzins-Komponente
STRC ist als variable Hochzins-Vorzugsaktie strukturiert. Der Coupon wird so angepasst, dass die effektive Rendite im zweistelligen Bereich bleibt (zuletzt etwa 11 Prozent p.a.), während der Kurs sich in der Nähe von 100 Dollar stabilisieren soll.
Die Dividenden werden monatlich ausgeschüttet, was STRC für Anleger interessant macht, die regelmäßige Cashflows mit höherer Flexibilität bei der Verzinsung kombinieren wollen.
STRE – Euro-Vorzugsaktie mit 10 % in EUR
Mit STRE richtet sich Strategy explizit an europäische Anleger. Die Euro-Vorzugsaktie zahlt 10 Prozent p.a. auf 100 Euro Nennwert, also 10 Euro pro Jahr bzw. 2,50 Euro pro Quartal, und schüttet in Euro aus.
STRE ist kumulativ, steht in der Rangfolge jedoch hinter den älteren US-Dollar-Vorzugsaktien wie STRF und STRC. In einer Stresssituation müssen Rückstände dieser älteren Serien zuerst bedient werden, bevor STRE voll bedient wird – ein Detail, das vielen Anlegern nicht bewusst ist.
STRD – weitere Preferred-Tranche (nicht kumulativ)
STRD ist eine zusätzliche Preferred-Serie, deren Prospekt einen festen Coupon und quartalsweise Ausschüttung vorsieht. Wichtig: Diese Tranche ist nicht kumulativ – ausgesetzte Dividenden müssen nicht nachgezahlt werden.
Für Strategy bedeutet das mehr Flexibilität in schwierigen Zeiten, für Anleger allerdings weniger Schutz, wenn Cash knapp wird.
Wie und wann die Dividenden fließen
Ex-Dividend-Day und Pay-Day: Typisches Muster
Die exakten Termine für Ex-Dividend-Day und Pay-Day werden jedes Quartal neu festgelegt, folgen aber einem relativ stabilen Muster. Besonders gut dokumentiert sind die Reihen für STRK und STRF.
- Quartalsweise Zahlungen: Ausschüttungen typischerweise zum 31.03., 30.06., 30.09. und 31.12. (oder dem nächsten Handelstag).
- Ex-Dividend-Day: Meist etwa 10–14 Tage vor dem Pay-Day, z.B. Mitte März, Mitte Juni, Mitte September, Mitte Dezember.
Historische Beispielreihe für STRK (vereinfacht):
- März: Ex-Dividend um den 14.–16. März, Pay-Day um den 31. März.
- Juni: Ex-Dividend um den 13.–16. Juni, Pay-Day um den 30. Juni.
- September: Ex-Dividend um den 15. September, Pay-Day um den 30. September.
- Dezember: Ex-Dividend um den 15. Dezember, Pay-Day um den 30./31. Dezember.
Für STRE (Euro-Serie) sieht der Prospekt ebenfalls Quartalszahlungen zum 31.03., 30.06., 30.09. und 31.12. vor, mit Ex-Dividend-Daten rund zwei Wochen vor dem jeweiligen Pay-Day.
Wichtig für Anleger: Diese Daten sind historische Muster und Beispiele – wer investieren möchte, muss immer die aktuellen Ex-Dividend- und Pay-Daten direkt beim Broker oder auf Dividendenseiten wie Nasdaq, StockAnalysis oder StockEvents prüfen.
So kommen die Dividenden im Depot an
Technisch läuft der Prozess klassisch ab: Der Vorstand erklärt die Dividende (Betrag pro Aktie, Record Date, Pay-Date), anschließend wird am Ex-Dividend-Day die Aktie „ohne Dividende“ gehandelt.
Wer die Vorzugsaktie am Record Date im Depot hat, erhält am Pay-Day die Bardividende auf das Verrechnungskonto gutgeschrieben. Deutsche Broker ziehen in der Regel automatisch Quellensteuer und Abgeltungsteuer ab und verbuchen den Netto-Betrag.
Risiken: Warum die hohe Rendite kein Freifahrtschein ist
Die zweistelligen Coupons der Strategy-Vorzugsaktien sind verlockend, aber sie spiegeln ein erhebliches Risiko wider, das man als Investor aktiv einpreisen muss.
- Bitcoin-Hebelrisiko: Strategy investiert massiv in Bitcoin. Ein scharfer Bärenmarkt kann den Wert der Sicherheiten dramatisch drücken und die Fähigkeit zur Dividendenzahlung beeinträchtigen.
- Komplexe Kapitalstruktur: Mehrere Preferred-Serien, Anleihen und die Stammaktie bilden eine verschachtelte Rangfolge. Serien wie STRE stehen in der Dividendenschlange hinter älteren US-Preferreds.
- Refinanzierungs- und Verwässerungsrisiko: Strategy hat wiederholt neue Aktien und Schuldtitel ausgegeben, um weitere Bitcoin zu kaufen. Das kann Stammaktionäre verwässern und Druck auf die gesamte Kapitalstruktur ausüben.
- Zins- und Liquiditätsrisiko: Steigende Zinsen, regulatorische Änderungen oder abnehmende Marktliquidität im Kryptobereich können die Refinanzierungskosten erhöhen und die Stabilität des Geschäftsmodells gefährden.
Wer in Strategy-Vorzugsaktien investiert, kauft daher nicht „nur“ eine Dividendenaktie, sondern beteiligt sich an einem hochriskanten, Bitcoin-zentrierten Konstrukt – mit entsprechend hoher Belohnung im Erfolgsfall und erheblichem Drawdown-Potenzial im Krisenszenario.
Warum das Phänomen Strategy genau betrachtet werden muss
Strategy ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich klassische Unternehmensfinanzierung, Kryptomarkt und Finanzinnovation miteinander verschränken. Stammaktie und Vorzugsaktien bilden gemeinsam ein hochkomplexes Kapitalgerüst, das für Anleger enorme Chancen und ebenso große Risiken bereithält.
Gerade im deutschsprachigen Raum ist es wichtig, hinter die Marketing-Erzählung der „10-Prozent-Dividendenaktie“ zu schauen und die Konstruktion, Rangfolge und Abhängigkeit vom Bitcoin-Markt transparent zu machen. Nur wer dieses Gesamtbild versteht, kann bewusst entscheiden, ob Strategy in ein Dividenden- oder Hochrisiko-Depot passt oder nicht.

