Eine Karte auf Reisen: „Ein Sommertag“ von Subotica nach Budapest im Jahr 1923
Manche Ansichtskarten verdanken ihren Reiz vor allem dem Motiv. Bei dieser Künstlerkarte liegt das Besondere jedoch woanders: in ihrer Laufgeschichte. Am 6. April 1923 machte sich die Karte „Ein Sommertag“ nach einem Aquarell von Käte Riemer auf den Weg von Szabadka beziehungsweise Subotica nach Budapest. Was zunächst wie eine einfache Grußsendung wirkt, entpuppt sich als kleiner postgeschichtlicher Beleg der frühen Zwischenkriegszeit.
In diesem Sammlungsreport stellen wir die Postreise dieser Karte in den Mittelpunkt. Wir schauen uns die Route an, betrachten Marke und Stempel und ordnen alles in den historischen Kontext nach dem Vertrag von Trianon ein. Das Motiv und der handschriftliche Gruß runden das Bild ab.
Das erwartet dich:
- Die Route: von Subotica nach Budapest
- Die Marke des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen
- Der Poststempel mit kyrillischer und lateinischer Ortsangabe
- Der historische Hintergrund nach Trianon
- Motiv und Verlag: Käte Riemer und W&N No. 1127
- Der handschriftliche Gruß von „G.“ an „Z.“

Die Route: eine Auslandssendung von Subotica nach Budapest
Aufgegeben wurde die Karte am 6. April 1923 in Szabadka, das damals bereits offiziell Subotica hieß. Ihr Ziel: Budapest. Auf den ersten Blick klingt das nach einer kurzen Strecke innerhalb einer Region, die kulturell und sprachlich eng verbunden war. Tatsächlich handelte es sich aber bereits um Auslandspost – und genau darin liegt der eigentliche Reiz.
Die Karte überquerte auf ihrem Weg eine noch junge Staatsgrenze. Der ungarischsprachige Gruß und das ungarische Ziel Budapest treffen auf eine Marke und einen Stempel, die zu einem ganz anderen Staat gehören. Diese Spannung macht die Sendung zu einem sprechenden Zeugnis ihrer Zeit.
Die Marke: Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen
Frankiert ist die Karte mit einer rötlich-braunen Marke des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (kurz Königreich SHS, später Jugoslawien). Sie zeigt das Profilporträt von König Alexander I., der nach rechts blickt.
- Aufschrift: „КРАЉЕВИНА СРБА, ХРВАТА И СЛОВЕНАЦА / KRALJEVINA SRBA, HRVATA I SLOVENACA“ – in kyrillischer und lateinischer Schrift
- Farbe: rötlich-braun
- Druckvermerk: am unteren Rand „American Bank Note Co.“
- Gestaltung: ornamentaler, geometrischer Markenrahmen
Der Hinweis „American Bank Note Co.“ ist selbst ein spannendes Detail. Er verweist auf eine renommierte Wertdruckerei, die für die junge staatliche Postverwaltung produzierte. Für Sammler ist die Marke damit nicht nur ein Frankaturbeleg, sondern auch ein Stück Druck- und Verwaltungsgeschichte.
Der Poststempel: „СУБОТИЦА / SUBOTICA“
Über der Marke sitzt ein runder, schwarzer Entwertungsstempel. Er trägt die Ortsangabe „СУБОТИЦА / SUBOTICA“ – wieder zweisprachig in Kyrillisch und Latein – sowie das Datum „6. IV. 1923“. Teile des Abschlags sind etwas undeutlich, wie es bei historischen Stempeln oft vorkommt.
Gerade der Stempel macht die Route greifbar. Er verortet die Karte eindeutig im damaligen Postalltag: aufgegeben in Subotica, entwertet am selben Tag, dann auf dem Weg über die Grenze nach Ungarn. Selbst ein teilweise verwischter Stempel liefert so wertvolle Hinweise auf Aufgabeort und Verwendungszeit.
Der historische Hintergrund: warum eine ungarische Karte eine SHS-Marke trägt
Diese scheinbare Ungereimtheit – ungarischer Text, aber eine Marke des Königreichs SHS – erklärt sich durch die politische Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg. Mit dem Vertrag von Trianon von 1920 verschoben sich die Grenzen in dieser Region erheblich.
Szabadka, jahrhundertelang eine Stadt mit starker ungarischer Prägung, wurde als Subotica Teil des neu gegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Die Menschen, ihre Sprache und ihre familiären Verbindungen blieben jedoch grenzüberschreitend bestehen. Eine auf Ungarisch geschriebene Karte, die mit einer SHS-Marke aus Subotica nach Budapest lief, ist deshalb kein Widerspruch, sondern ein direktes Abbild dieser Umbruchszeit.
Für die Postgeschichte bedeutet das: Aus einer alltäglichen Sendung wird ein Beleg dafür, wie schnell aus Inlandspost plötzlich Auslandspost werden konnte – ohne dass sich Route, Menschen oder Sprache groß änderten. Genau solche Karten machen die frühe Zwischenkriegszeit anschaulich.
Motiv und Verlag: Käte Riemer und W&N No. 1127

Auch die Bildseite verdient einen Blick, denn sie gibt der Karte ihren Namen. Das Motiv „Ein Sommertag“ geht auf ein Original-Aquarell von Käte Riemer zurück und trägt unten links die handschriftliche Signatur „K. Riemer.“. Herausgegeben wurde die Karte vom Verlag W&N in der Reihe No. 1127.
Die farbige, impressionistisch gehaltene Illustration zeigt eine idyllische ländliche Szene: Ein gewundener Feldweg führt in die Tiefe des Bildes, darauf eine kleine, vom Betrachter abgewandte Figur mit einem hölzernen Schulterjoch und zwei Eimern. Am Wegrand stehen ein verwitterter Holzzaun, ein üppiger Busch mit leuchtend rosa Blüten und eine schlanke Birke. Im Hintergrund liegt ein Dorf mit roten Ziegeldächern vor dunstig-blauen Hügeln, darüber ein heller Sommerhimmel mit weichen Wolken.
Der sichtbare Pinselduktus und die warme, ruhige Stimmung sind typisch für europäische Aquarell-Künstlerkarten dieser Zeit. Solche Karten waren zugleich kleines Kunstbild und persönlicher Gruß.
Der handschriftliche Gruß: Freundschaft mit Augenzwinkern
Auf der Rückseite findet sich ein persönlicher Gruß in ungarischer Sprache. Um die genannten Personen mit der nötigen Zurückhaltung zu behandeln, geben wir den Inhalt nur zusammengefasst wieder und kürzen die Namen ab.
Geschrieben hat die Karte ein junger Mann, hier „G.“, an seinen Freund „Z.“, einen Studenten in Budapest. Der Ton ist herzlich und selbstironisch. In humorvollen Worten entschuldigt sich der Absender für sein langes Schweigen. Scherzhaft schreibt er, er sei „schrecklich beschäftigt“ gewesen – nämlich damit, sich „zu Tode zu langweilen“. Zum Schluss hofft er auf ein baldiges Wiedersehen und verabschiedet sich freundschaftlich.
In wenigen Zeilen fängt die Karte den Alltagshumor und die freundschaftliche Nähe der frühen 1920er Jahre ein. Teile der Handschrift sind altersbedingt und wegen der ungarischen Kursivschrift schwer zu lesen, daher erfolgt die Wiedergabe sinngemäß.
Warum diese Laufgeschichte für Sammler zählt
Für sich genommen ist „Ein Sommertag“ eine hübsche Künstlerkarte. In der Verbindung von Motiv, Marke, Stempel und Route wird sie jedoch zu einem vielschichtigen Beleg. Diese Ebenen machen sie besonders reizvoll:
- Postgeschichte: eine grenzüberschreitende Sendung von Subotica nach Budapest
- Markenkunde: eine Ausgabe des Königreichs SHS mit König Alexander I., gedruckt von American Bank Note Co.
- Zeitgeschichte: ein greifbares Beispiel für die Folgen des Vertrags von Trianon
- Kunstgeschichte: ein Aquarellmotiv von Käte Riemer aus dem Verlag W&N (No. 1127)
- Alltagskultur: ein humorvoller Freundschaftsgruß aus den frühen 1920er Jahren
Zum Zustand: Das Papier zeigt einen hellen Creme- bis Beigeton mit typischer Patina, leichte Vergilbung sowie vereinzelt kleine Flecken und feine Griffspuren sind möglich. Das Aquarellmotiv bleibt farbfrisch und detailreich. Ein authentisches Original, wie es Freunde von Künstler- und Aquarellkarten sowie Liebhaber der Postgeschichte der Zwischenkriegszeit schätzen.
Fazit
Diese Karte zeigt eindrücklich, dass die Reise einer Ansichtskarte oft mehr erzählt als ihr Bild. Eine ungarische Grußkarte, eine Marke des Königreichs SHS und ein Stempel aus Subotica ergeben zusammen ein kleines Kapitel europäischer Postgeschichte. Wer genau hinschaut, liest hier eine ganze Umbruchszeit mit.
Hast du selbst Karten mit einer spannenden Laufgeschichte oder einem grenzüberschreitenden Weg entdeckt? Teile deine Fundstücke und Beobachtungen – gerade solche Details bereichern jede Sammlung.
KI-Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt. Die inhaltliche Grundlage bilden die vorliegende Ansichtskarte und die dazugehörigen Angaben; die redaktionelle Aufbereitung, Strukturierung und Formulierung erfolgte KI-gestützt und wurde anschließend geprüft.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Dokumentationszwecken im Rahmen eines Sammlungsreports. Angaben zu Motiv, Verlag, Marke, Stempel, Route und Datierung beruhen auf der Auswertung der vorliegenden Karte und allgemein zugänglichen Informationen; einzelne Lesungen der Handschrift und einzelne Einordnungen sind Vermutungen und können durch weitere Recherche ergänzt oder korrigiert werden. Der Beitrag stellt keine Wertermittlung, Echtheitsgarantie oder verbindliche postgeschichtliche Einordnung dar. Genannte Verlags-, Orts- und Personennamen dienen der Beschreibung und Zuordnung des historischen Objekts; persönliche Angaben werden bewusst zurückhaltend und in abgekürzter Form wiedergegeben.

