Berlin Alexanderplatz um 1951? Eine alte Ansichtskarte und die Suche nach ihrem Aufnahmejahr
Ich schätze keine Preise. Ich schätze die Arbeit der Sammler.
Mehrere Straßenbahnen im Vordergrund, ein Doppeldeckerbus auf der Kreuzung, Lastwagen, Autos und zahlreiche Passanten: Diese Foto-Ansichtskarte vom Berliner Alexanderplatz lädt zum genauen Hinsehen ein. Zwischen den Geschäftshäusern ist die gewölbte Bahnhofshalle zu erkennen. Die Bildunterschrift lautet schlicht „Berlin, Alexanderplatz“. Ein Aufnahmedatum fehlt.
Als ich die Karte in der Facebook-Gruppe „Historisches Berlin“ vorstellte, wollte ich vor allem eines wissen: Wann könnte diese Aufnahme entstanden sein? Zum Zeitpunkt dieses Beitrags hatte der Post bereits 185 Likes und einige Teilungen erhalten. Besonders gefreut haben mich aber die vielen Hinweise und Erinnerungen in den Kommentaren.
Aus einer einzelnen Karte wurde so eine gemeinsame Spurensuche – mit Fahrzeugbestimmungen, einem möglichen Denkmalsockel und einer Rückseite, die mehr verrät, als zunächst gedacht. In diesem Beitrag fasse ich zusammen, was gesichert ist, was plausibel erscheint und was noch offenbleibt.
Hier geht es zum Facebook-Beitrag und zur Diskussion in „Historisches Berlin“.

Die Karte auf einen Blick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Motiv | Berlin, Alexanderplatz, Blick von erhöhtem Standpunkt auf Kreuzung, Geschäftshäuser und Bahnhofshalle |
| Bildunterschrift | „Berlin, Alexanderplatz“ |
| Kartenart | Schwarz-Weiß-Foto-Ansichtskarte, rückseitig „Echte Photographie“ |
| Verlag | Photochemie Berlin N 113, Lizenz Nr. 172 |
| Genehmigungsnummer | Gen.-Nr. Za 435 – 1/1 – 551 |
| Signet | Rundes Signet mit Figuren und „Berlin 1951“ (III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten) |
| Postalisch | Ungelaufen, ohne Stempel, ohne Briefmarke, unbeschrieben |
| Datierung | Arbeitshypothese: um 1951 bzw. frühe 1950er-Jahre; Aufnahmejahr noch nicht gesichert |
Ein Alexanderplatz voller Bewegung
Auf der Aufnahme herrscht reger Verkehr. Die Karte wurde von einem erhöhten Standpunkt aus fotografiert. So überblickt der Betrachter die gesamte Kreuzung bis zu den Gebäuden im Hintergrund.
Straßenbahnen im Vordergrund
Mehrere Straßenbahnwagen ziehen sich quer durch den unteren Bildbereich. Die hellen Wagen mit dunklen Fensterrahmen dominieren die Szene und geben ihr einen starken Rhythmus. Für Freunde der Berliner Verkehrsgeschichte ist allein dieser Ausschnitt schon einen genaueren Blick wert.
Doppeldecker, Lastwagen und Autos
Dahinter teilen sich ein Doppeldeckerbus, verschiedene Kraftfahrzeuge, Lastwagen, Radfahrer und Fußgänger die Kreuzung. Die Fahrzeuge sind im Verhältnis zu den Straßenbahnen deutlich kleiner abgebildet. Gerade deshalb sind ihre Typen schwer zu bestimmen.
Gebäude, Licht und Schatten
Im Hintergrund prägen große Geschäftshäuser mit gleichmäßigen Fensterrastern das Bild. Dazu gehören die markanten Bauten von Peter Behrens, das Alexanderhaus und das Berolinahaus, die um 1929 bis 1932 entstanden. Zwischen den Häusern zeichnet sich das gewölbte Dach der Bahnhofshalle ab. An einer Fassade ist eine großflächige Beschriftung zu sehen, die im Scan nur bruchstückhaft lesbar ist.
Links liegt die Häuserfront im Schatten. Die gegenüberliegenden Fassaden und weite Teile der Straße stehen dagegen im Sonnenlicht. Auch ein Treppenabgang mit geschwungenem Geländer ist erkennbar.
Warum gerade die Details zählen
Diese alltäglichen Einzelheiten machen für mich den Reiz historischer Ansichtskarten aus. Nicht nur die großen Gebäude erzählen Geschichte. Auch Fahrzeuge, Kleidung, Straßenmöblierung und scheinbar nebensächliche Details helfen bei der Einordnung.
Doch je genauer man hinsieht, desto mehr Fragen entstehen: Welcher Lastwagen kommt dort auf die Kamera zu? Was für ein Doppeldecker fährt rechts durchs Bild? Und was ist die säulenartige Struktur vor der hinteren Hausecke?
Die ersten Hinweise: frühe 1950er-Jahre
Mehrere Mitglieder der Facebook-Gruppe ordneten die Szene in die frühen 1950er-Jahre ein. Ein Kommentator verwies auf Ruinen, die damals gegenüber noch gestanden hätten. Andere konzentrierten sich auf die Fahrzeuge.
Die genannten Fahrzeugtypen
| Vorschlag aus der Gruppe | Einordnung |
|---|---|
| BMW bzw. EMW | Pkw-Hinweis; Typ auf dem Scan nicht sicher bestimmbar |
| VW Käfer | Pkw-Hinweis; Bestimmung noch offen |
| IFA H3A | Lkw; gebaut ab 1950 |
| IFA H6 | Lkw; Serienproduktion ab 1952 |
| GMC | Amerikanischer Lkw; als Möglichkeit genannt, nicht bestätigt |
Vorschläge sind noch keine Belege
Solche Hinweise sind wertvoll. Sie müssen aber zunächst als Vorschläge behandelt werden. Gerade bei kleinen Fahrzeugen im Bildhintergrund sind Kühlerform, Embleme und andere entscheidende Merkmale auf dem Scan nicht immer eindeutig zu erkennen.
Für die Datierung ist die Unterscheidung trotzdem wichtig. Der IFA H3A wurde ab 1950 gebaut, die Serienproduktion des H6 begann dagegen erst 1952. Ein sicher identifizierter Fahrzeugtyp könnte damit einen frühestmöglichen Aufnahmezeitpunkt liefern. Solange die Bestimmung offenbleibt, sollte daraus jedoch kein festes Datum werden.
Erinnerungen ergänzen die Bildanalyse
Neben den technischen Hinweisen kamen persönliche Erinnerungen hinzu. Ein Gruppenmitglied erzählte vom Berlin seiner Kindheit, von Ruinen als Abenteuerspielplätzen und vom Alltag in einer Stadt, die noch lange vom Krieg gezeichnet war.
Solche Erinnerungen können nicht jedes Detail einer Aufnahme datieren. Sie geben dem Bild aber eine zusätzliche Ebene. Was auf der Karte wie eine beiläufige Straßenszene wirkt, gehörte für andere Menschen zum eigenen Lebensumfeld. Eine Ansichtskarte hält einen Augenblick fest – die Kommentare öffnen den Blick auf das Leben ringsherum.
Ist das der Sockel der Berolina?
Ein weiterer Hinweis betraf eine Struktur links im mittleren Bildbereich. Was dort wie eine große Litfaßsäule aussieht, könnte nach Einschätzung eines Kommentators der stehen gebliebene Sockel der Berolina sein.
Was über den Sockel bekannt ist
Die Berolina-Statue war 1933 vor dem Alexanderhaus wiederaufgestellt worden. Nach ihrer Entfernung im Zweiten Weltkrieg blieb der Sockel erhalten und diente als Anschlagsäule. Erst 1958 wurde auch dieser Rest des Denkmals abgetragen. Ein leerer Sockel wäre daher grundsätzlich mit einer Aufnahme aus den 1950er-Jahren vereinbar.
Was die Karte zeigt – und was nicht
Auf meiner Karte lässt sich die betreffende Struktur allerdings nicht sicher identifizieren. Menschen, Fahrzeuge und Schatten verdecken Teile davon. Die Einzelheiten sind zu unscharf für einen eindeutigen Vergleich.
Der Berolina-Hinweis bleibt deshalb eine interessante Spur, aber noch kein Beweis. Erst eine passende, eindeutig datierte Vergleichsaufnahme könnte zeigen, ob hier tatsächlich der ehemalige Denkmalsockel zu sehen ist.
Auch die Frage nach einer Fotomontage kam auf
Ein Kommentator fragte, ob möglicherweise „ein bisschen Photomontage“ im Bild stecke. Diesen Eindruck sollte man nicht einfach abtun. Bestätigen lässt er sich am vorliegenden Scan aber ebenfalls nicht.
Die Straßenbahnen wirken im Vordergrund sehr dominant, während die übrige Verkehrsszene weiter entfernt und kleiner erscheint. Dazu kommen kräftige Unterschiede zwischen Licht und Schatten. Eindeutige Montagekanten oder andere zweifelsfreie Belege kann ich daraus jedoch nicht ableiten.
Für diese Frage wäre zunächst wichtig zu wissen, auf welche konkrete Bildstelle sich der Verdacht bezieht. Bis dahin bleibt auch sie offen.

Die Rückseite: unbeschrieben, aber nicht ohne Informationen
Die Karte ist nicht postalisch gelaufen. Es gibt weder einen Poststempel noch eine handschriftliche Datumsangabe. Trotzdem lohnt sich das Umdrehen.
Die Angaben im Überblick
Auf der Rückseite stehen:
- „Photochemie Berlin N 113“
- „Lizenz Nr. 172“
- „Echte Photographie“
- „Gen.-Nr. Za 435 – 1/1 – 551“
Das Signet der Weltfestspiele 1951
Hinzu kommt ein kleines rundes Signet mit Figuren und der Angabe „Berlin 1951“. Es verweist auf die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten. Damit liefert die Rückseite einen wichtigen Hinweis auf den zeitlichen und gestalterischen Zusammenhang dieser Kartenausgabe.
Vergleichsstücke mit derselben Genehmigungsnummer
Auch ein Vergleich ist aufschlussreich. Im Eisenbahn-Postkarten-Museum ist eine Photochemie-Karte vom Berliner Ostbahnhof mit derselben Genehmigungsnummer und einem Sonderstempel der Weltfestspiele 1951 dokumentiert. Außerdem findet sich dort eine Alexanderplatz-Karte von Photochemie mit der entsprechenden Genehmigungs- und Lizenznummer.
Die Zahlenfolge ist also nicht einfach als individuelle Bildnummer zu verstehen. Ebenso wenig lässt sie sich ohne Weiteres als Aufnahmedatum lesen.
Warum „Berlin 1951“ nicht automatisch das Aufnahmejahr ist
Bei der Datierung einer Ansichtskarte muss man drei Fragen auseinanderhalten:
- Aufnahme: Wann wurde die Fotografie gemacht?
- Herstellung: Wann wurde die Ansichtskarte hergestellt beziehungsweise herausgegeben?
- Verwendung: Wann wurde ein bestimmtes Exemplar verschickt oder beschrieben?
Bei meiner Karte fällt die dritte Möglichkeit als Datierungshilfe weg, weil sie unbeschrieben und unfrankiert geblieben ist. Das Weltfestspiel-Signet spricht für einen Ausgabezusammenhang mit 1951. Es beweist jedoch nicht, dass die Kamera genau in diesem Jahr ausgelöst wurde. Eine ältere Aufnahme könnte ebenso als Vorlage gedient haben. Auch eine spätere Verwendung derselben Rückseitengestaltung ist ohne weitere Vergleichsstücke nicht ausgeschlossen.
Das erklärt zugleich, warum die Fahrzeughinweise kritisch abgeglichen werden müssen. Sollte sich nachweisen lassen, dass genau diese Bildausgabe bereits 1951 vorlag, wäre die Bestimmung eines Fahrzeugs als serienmäßiger H6 nochmals zu prüfen. Dessen Serienfertigung begann erst 1952.
Nicht die Karte muss zu unserer ersten Vermutung passen. Die Vermutungen müssen sich an der Karte messen lassen.
Fakten und Vermutungen sauber getrennt
| Einordnung | Aussage |
|---|---|
| Auf der Karte vorhanden | Bildunterschrift „Berlin, Alexanderplatz“; Verlagsangabe Photochemie Berlin N 113; Lizenz Nr. 172; Gen.-Nr. Za 435 – 1/1 – 551; Signet „Berlin 1951“; ungelaufen |
| Gut gestützt | Ausgabezusammenhang mit den Weltfestspielen 1951, belegt durch Signet und Vergleichsstücke mit derselben Genehmigungsnummer |
| Plausibel | Aufnahme in den frühen 1950er-Jahren, gestützt durch Hinweise aus der Facebook-Gruppe |
| Offen | Genaues Aufnahmejahr, sichere Fahrzeugbestimmung, Berolina-Sockel, mögliche Fotomontage |
Mein vorläufiges Ergebnis
Der derzeit sinnvollste Ansatz lautet:
Berlin, Alexanderplatz, vermutlich frühe 1950er-Jahre. Foto-Ansichtskarte von Photochemie Berlin mit rückseitigem Signet der Weltfestspiele 1951. Das genaue Aufnahmejahr ist bislang nicht gesichert.
Die Rückseite ist dabei der stärkste direkt auf der Karte vorhandene Zeitbezug. Die Hinweise aus der Facebook-Gruppe ergänzen diesen Befund. Bei den einzelnen Fahrzeugtypen und beim möglichen Berolina-Sockel bleiben aber noch Fragen offen.
Deshalb trägt dieser Beitrag bewusst ein Fragezeichen im Titel. „Um 1951“ ist eine Arbeitshypothese – kein abschließend bewiesenes Datum.
Gemeinsam entdeckt man mehr
Für die vielen Hinweise aus „Historisches Berlin“ möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Ob Fahrzeugkenntnisse, Erinnerungen an den damaligen Alexanderplatz oder der Hinweis auf den Berolina-Sockel: Jeder Beitrag eröffnet einen weiteren Blick auf die Karte.
Wer die Diskussion verfolgen oder selbst etwas ergänzen möchte, findet sie hier:
Zum ursprünglichen Facebook-Beitrag in der Gruppe „Historisches Berlin“
Diese Hinweise wären besonders hilfreich
- Vergleichsaufnahme: ein eindeutig datiertes Foto des Alexanderplatzes aus ähnlicher Perspektive
- Fahrzeuge: eine nachvollziehbare Bestimmung des Doppeldeckerbusses und der Lastwagen
- Berolina-Sockel: Aufnahmen, die den leeren Sockel aus vergleichbarem Blickwinkel zeigen
- Fotomontage: konkrete Bildstellen, die auf eine Montage hindeuten könnten
Bitte schreiben Sie möglichst dazu, worauf Ihre Einschätzung beruht. Neue, gesicherte Erkenntnisse werde ich an dieser Stelle ergänzen.
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Vielleicht ist dort auch die nächste Karte dabei, die mehr Fragen aufwirft, als sie auf den ersten Blick beantwortet. Weitere Tipps rund ums Sammeln finden Sie im Beitrag Historische Ansichtskarten kaufen.
KI-Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt. Die inhaltliche Grundlage bilden ein vorbereiteter Recherchetext, Scans der Karte sowie Hinweise aus der Facebook-Gruppe „Historisches Berlin“. Die redaktionelle Aufbereitung, Strukturierung und Formulierung erfolgte KI-gestützt und wurde anschließend geprüft. Bei der Analyse historischer Karten setze ich KI gezielt als Werkzeug ein, prüfe jedoch jedes Ergebnis selbst und verantworte die fachliche Einordnung. Fahrzeugbestimmungen, Lesarten und Datierungen werden nicht allein durch KI festgelegt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Er ist kein Wertgutachten, gibt keine Echtheitsgarantie und stellt keine Rechtsberatung dar. Er enthält keine Marktpreiseinschätzung. Bildbeschreibung, Fahrzeughinweise und Datierung beruhen auf dem vorliegenden Scan, auf Recherche sowie auf Kommentaren aus einer Facebook-Gruppe und können im Einzelfall abweichen. Das Aufnahmejahr ist noch nicht gesichert; „um 1951“ ist eine Arbeitshypothese. Kommentare aus der Gruppe werden als Hinweise wiedergegeben und nicht als geprüfte Belege. Maßgeblich sind stets die Merkmale des Originals sowie ergänzende Fachrecherche. Der Abschnitt „Weitere alte Ansichtskarten entdecken“ enthält Werbung für mein eigenes eBay-Angebot.

