Mela Köhler-Broman: Motivanalyse der Künstlerpostkarte „Zwei Mädchen beim Frisieren“ (Sago-Konst, B 41/54)
Ich schätze keine Preise. Ich schätze die Arbeit der Sammler.
Manche Karten erzählen ihre Geschichte schon auf den ersten Blick. Andere zeigen ihren Wert für Sammler erst, wenn man Vorder- und Rückseite genau liest. Diese Künstlerpostkarte gehört zu beiden Gruppen. Die Vorderseite zeigt eine fein gestaltete Kinderszene. Die Rückseite verrät Verlag, Herstellungsland und Kartennummer. Zusammen ergeben sie eine klare Zuordnung: Die Karte stammt von der Wiener Künstlerin Mela Köhler-Broman und erschien bei Sago-Konst A. B. in Stockholm unter der Nummer B 41/54.
In diesem Beitrag ordne ich die Karte fachlich ein. Sie erfahren, was das Motiv zeigt, wer die Künstlerin war, was die Rückseite verrät und wo die Grenzen einer sicheren Datierung liegen. Die Analyse zeigt außerdem beispielhaft, wie eine sorgfältige Kartenbeschreibung aufgebaut sein kann.
Die Karte auf einen Blick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Künstlerin | Mela Köhler-Broman (gedruckte Signatur „MELA K. BROMAN“) |
| Motiv | Zwei Mädchen bei der Haarpflege am Toilettenspiegel (beschreibende Bezeichnung) |
| Verlag | Sago-Konst A. B., Stockholm |
| Kartennummer | B 41/54 |
| Kartenart | Farbig gedruckte Illustrationskarte, keine Fotokarte |
| Postalischer Zustand | Ungelaufen, unbeschrieben, ohne Briefmarke und Stempel |
| Datierung | Nicht gesichert, vorsichtige Arbeitshypothese: wohl 1930er bis 1940er Jahre |
Motivanalyse: eine kindliche Toilettenszene
Im Mittelpunkt steht eine häusliche Szene, wie sie in der Kunst um 1900 und danach gern dargestellt wurde: die Toilette, also das Ankleiden und Frisieren. Hier übernehmen jedoch zwei Mädchen die Rollen der Erwachsenen.
Die beiden Figuren
Ein Mädchen sitzt auf einem kleinen runden Hocker vor einem großen ovalen Spiegel. Es trägt einen weiten, rosafarbenen und gemusterten Umhang, der im Nacken mit einer Schleife gebunden ist. In der Hand hält es einen kleinen grünen Handspiegel und betrachtet sich darin.
Das zweite Mädchen steht auf einem Schemel, um die Frisur der anderen zu erreichen. Es trägt eine weiße Haube, ein dunkles Kleid und eine weiße Schürze. Diese Kleidung erinnert an eine Zofe. Die Szene wirkt dadurch wie ein kindliches Nachspielen der Erwachsenenwelt: Eine junge „Dame“ lässt sich frisieren, ihre „Zofe“ bedient sie. Genau dieser Rollentausch verleiht dem Motiv seinen Charme.
Bildaufbau und Symmetrie
Die Komposition ist fast streng symmetrisch angelegt. Zwei grüne Polsterstühle stehen links und rechts im Bild. An beiden Seiten hängen spitzenartige Vorhänge, in der Mitte steht der Toilettentisch mit dem großen Spiegel. Die beiden Figuren lockern diese Ordnung auf und lenken den Blick in die Bildmitte.
Abgestimmte Details
Bemerkenswert ist, wie sorgfältig die Künstlerin Formen und Farben aufeinander abstimmt:
- Schleifen als Leitmotiv: Sie finden sich am großen Spiegel, an der Frisur und an den Ecken des Toilettentisches.
- Grüne Akzente: Stühle und Schemel greifen das Grün der Spiegel und Schleifen wieder auf.
- Textile Muster: Die Vorhänge zeigen geometrische und florale Spitzenmuster, die Wand vertikale Streifen mit Rautenbändern.
- Liebevolle Kleinigkeiten: Ein Kerzenhalter, kleine Toilettenbehälter und ein rosafarbenes Frisierutensil stehen auf dem Tisch.
Stil und Bildsprache
Flächige Pastellfarben, feine Konturen und dekorative Textilmuster prägen das Bild. Diese Bildsprache erinnert an den Jugendstil und an die Wiener Gebrauchsgrafik, in der Mela Köhler-Broman ausgebildet wurde und arbeitete. Wichtig ist dabei: Das ist eine stilistische Einordnung des Motivs, keine Datierung des Kartendrucks. Ein Entwurf im Jugendstil-Geist kann durchaus Jahre oder Jahrzehnte später gedruckt worden sein.

Die Künstlerin: Mela Köhler-Broman
Die Signatur unten rechts lautet „MELA K. BROMAN“. Sie ist Teil der Druckvorlage und keine handschriftliche Unterschrift. Für Sammler ist dieser Unterschied wichtig, denn eine gedruckte Signatur bestätigt die Urheberschaft des Entwurfs, macht die Karte aber nicht zu einem signierten Einzelstück.
Mela Köhler-Broman wurde am 18. November 1885 in Wien geboren und starb am 15. Dezember 1960 in Stockholm. Sie arbeitete als Malerin, Grafikerin und Illustratorin. Bekannt wurde sie unter anderem durch Postkartenentwürfe für die Wiener Werkstätte sowie für die Wiener Verlage Brüder Kohn und Munk. Typisch für ihre Arbeiten ist die Verbindung von Mode, dekorativer Gestaltung und Alltagsszenen, oft mit Kindern und jungen Frauen.
Ihre Biografie führte sie später nach Schweden. Eine biografische Quelle nennt die Heirat mit Gunnar Broman bereits 1921 und den Umzug nach Schweden 1934. Für ihre schwedische Tätigkeit ist auch der Verlag Sago-Konst belegt: Das Österreichische Biographische Lexikon nennt ihn ausdrücklich unter den Verlagen, für die sie Illustrationen schuf. Die vorliegende Karte passt damit eindeutig zu einem dokumentierten Teil ihres Werkes.
Wiener Werkstätte – ja oder nein?
Hier lohnt eine genaue Formulierung. Die Karte stammt von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Wiener Werkstätte. Sie ist aber keine als Wiener-Werkstätte-Ausgabe ausgewiesene Karte. Auf der Rückseite steht der schwedische Verlag Sago-Konst A. B. Wer eine solche Karte beschreibt oder anbietet, sollte diesen Unterschied klar benennen. Das schafft Vertrauen und vermeidet falsche Erwartungen bei Sammlern.
Verlag Sago-Konst und die Angaben der Rückseite
Die Rückseite ist schlicht gestaltet, enthält aber alle wichtigen Angaben zur Herkunft:
| Aufdruck | Bedeutung bzw. Einordnung |
|---|---|
| „Svensk tillverkning“ | „Schwedische Herstellung“, senkrecht entlang der Trennlinie gedruckt |
| „Ensamrätt“ | „Alleinrecht“, Hinweis auf ausschließliche Rechte |
| „SAGO-KONST A. B. Stockholm“ | Verlagsangabe; A. B. steht für die schwedische Gesellschaftsform Aktiebolag |
| „B 41/54“ | Verlags- bzw. Kartennummer, nicht als Jahreszahl zu lesen |
| Wappenemblem mit Krone | Offenbar Hinweis auf einen königlichen Hoflieferanten („Kungl. Hovleverantör“); die sehr kleine Schrift ist im Scan nicht vollständig sicher lesbar |
Unten rechts findet sich außerdem eine handschriftliche Preisnotiz in Bleistift. Sie ist klar von den gedruckten Verlagsangaben zu trennen. Eine solche Notiz belegt weder einen tatsächlich erzielten Verkaufspreis noch den heutigen Marktwert.
Datierung und Serienzusammenhang
Warum eine genaue Jahresangabe offenbleibt
Eine vorsichtige Arbeitshypothese lautet: wohl 1930er bis 1940er Jahre. Dieser Rahmen ist jedoch ausdrücklich mit Vorbehalt zu verstehen. Zwei Punkte sprechen gegen eine schnelle, scheinbar sichere Datierung:
- Die Signatur „Broman“ belegt keinen Druck nach dem Umzug nach Schweden 1934, denn die Heirat mit Gunnar Broman wird bereits für 1921 genannt.
- Es bleibt offen, ob Sago-Konst für diese Karte einen älteren Entwurf verwendet hat.
Auch die Nummer „B 41/54“ verführt leicht zu einer Fehldeutung. Sie ist eine Verlags- bzw. Kartennummer und kein Hinweis auf das Jahr 1954.

Die Nachbarnummern B 41/53 und B 41/55
Für die Zugehörigkeit zu einer Motivgruppe gibt es konkrete Vergleichsstücke:
- B 41/53: „Zwei Mädchen im Bad“, ebenfalls bei Sago-Konst A. B. Stockholm erschienen.
- B 41/54: die hier besprochene Karte mit zwei Mädchen beim Frisieren.
- B 41/55: Ein Mädchen hilft einem anderen beim Anziehen eines Schuhs.
Die benachbarten Nummern und die verwandten Alltagsszenen sprechen dafür, dass die Karte zu einer zusammengehörigen Folge mit Mädchenmotiven gehört. Ein verbindlicher Serientitel oder die vollständige Anzahl der Karten ist damit allerdings noch nicht nachgewiesen. Eine Händlerdatierung „circa 1915“ für B 41/55 sollte man nicht ungeprüft auf B 41/54 übertragen.
Druck und Erhaltungszustand
Es handelt sich um eine farbig gedruckte Illustrationskarte, nicht um eine Fotokarte. Im Scan ist eine feine Druckstruktur erkennbar. Die genaue Drucktechnik lässt sich daraus aber nicht zuverlässig bestimmen. Begriffe wie „Farblithografie“ oder „Steinzeichnung“ sollten deshalb ohne Prüfung des Originals vermieden werden.
Nach Vorder- und Rückseiten-Scan ergibt sich folgender Zustand:
- postalisch ungebraucht, ohne Briefmarke, Stempel oder Mitteilung
- vollständig, mit gut erkennbarer Illustration
- altersbedingte Papierbräunung, vor allem auf der Rückseite und an den Rändern
- leichte Rand- und Eckenspuren sowie einzelne kleine Flecken
- handschriftliche Preisnotiz auf der Rückseite
- keine deutlichen Risse oder starken Knicke erkennbar; feinere Oberflächenschäden lassen sich im Scan nicht ausschließen
Eine sachliche Kurzbeschreibung lautet: „Ungebraucht, altersbedingt gebräunt, leichte Rand- und Eckenspuren, kleinere Fleckchen sowie rückseitige Preisnotiz; siehe Scans.“
Sammlerische Einordnung
Die Karte spricht mehrere Sammelgebiete gleichzeitig an:
- Sammler von Mela Köhler-Broman: Die Karte ist durch Signatur, Verlag und Nummer klar zugeordnet.
- Künstlerpostkarten allgemein: Der Entwurf zeigt die typische Handschrift der Wiener Gebrauchsgrafik.
- Kinder- und Mädchenmotive: Die Szene gehört zu einer erkennbaren Motivfolge.
- Dekorative Interieurs: Möbel, Textilien und Accessoires machen die Karte auch für Freunde historischer Wohnkultur interessant.
Ihr Reiz liegt in der detailreichen Gestaltung und der eindeutigen Zuordnung. Eine belastbare Einzelbewertung lässt sich aus Vergleichsangeboten dagegen nicht ableiten, weil ein nachgewiesener Verkauf genau dieses Motivs fehlt. Ein Auktionshaus nennt für spätere Köhler-Karten allgemein eine breite Spanne von etwa 30 bis 100 Euro. Das ist eine grobe Orientierung über verschiedene Karten hinweg und kein belegter Wert für B 41/54.
Empfohlener Katalog- und Angebotstitel
Für Katalog, Sammlungsdokumentation oder ein Online-Angebot eignet sich folgender präziser Titel:
Mela Köhler-Broman – Zwei Mädchen beim Frisieren am Toilettenspiegel – Sago-Konst, Stockholm, B 41/54 – ungebrauchte Künstlerpostkarte
„Zwei Mädchen beim Frisieren“ ist dabei eine beschreibende Motivbezeichnung und kein nachgewiesener Originaltitel. Der Titel enthält alle Merkmale, nach denen Sammler auf Online-Marktplätzen gezielt suchen: Künstlerin, Motiv, Verlag, Ort, Nummer und Erhaltung.
Fazit: Genau hinsehen lohnt sich
Diese Karte zeigt, wie viel Information in einer einzigen Künstlerpostkarte steckt. Die Vorderseite bietet eine liebevoll komponierte Kinderszene in der Bildsprache der Wiener Gebrauchsgrafik. Die Rückseite liefert Verlag, Herstellungsland und Kartennummer. Erst beides zusammen erlaubt eine saubere Einordnung, und gleichzeitig zeigt sich, wo die Grenzen liegen: bei der genauen Datierung, der Drucktechnik und dem Serientitel.
Wer Karten so beschreibt, hilft Sammlern, Händlern und Archiven gleichermaßen. Mehr zum Thema finden Sie in meinem Beitrag Historische Ansichtskarten kaufen.
KI-Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt. Die inhaltliche Grundlage bilden ein vorbereiteter Text sowie Scans der Vorder- und Rückseite der Karte. Die redaktionelle Aufbereitung, Strukturierung und Formulierung erfolgte KI-gestützt und wurde anschließend geprüft. Bei der Analyse historischer Karten setze ich KI gezielt als Werkzeug ein, prüfe jedoch jedes Ergebnis selbst und verantworte die fachliche Einordnung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Er ist kein Wertgutachten, gibt keine Echtheitsgarantie und stellt keine Rechtsberatung dar. Er enthält keine verbindliche Marktpreiseinschätzung, keine Verkaufsprognose und keine gesicherte Datierung. Genannte Preisspannen und Preisnotizen dienen nur der Einordnung und belegen keinen Marktwert. Angaben zu Motiv, Verlag, Datierung, Drucktechnik und Zustand beruhen auf Scans, Recherche und Erfahrung und können im Einzelfall abweichen; einzelne Lesarten sind möglich. Maßgeblich sind stets die tatsächlichen Merkmale des Originals sowie ergänzende Fachrecherche. Für rechtliche, steuerliche oder wertbezogene Fragen ziehen Sie bitte fachkundigen Rat hinzu.

