Harry Heusser: Eine seltene Hafenszene auf der Korrespondenzkarte des Österreichischen Lloyd
Manche Sammlerstücke berühren gleich mehrere Welten auf einmal. Diese seltene Künstler-Ansichtskarte gehört genau dazu. Sie zeigt eine stimmungsvolle, impressionistische Hafenszene des Marinemalers Harry Heusser aus dem Jahr 1909 – und ist zugleich eine offizielle Korrespondenzkarte der legendären Reederei Österreichischer Lloyd aus Triest.
Damit vereint das Stück gleich drei gefragte Sammelgebiete: maritime Kunst, Reederei- und Schifffahrtsgeschichte sowie ein authentisches Stück österreichisch-ungarischer Geschichte aus der Zeit vor 1918. In diesem Beitrag schauen wir uns die Karte von beiden Seiten genau an, ordnen den Künstler ein und beleuchten den historischen Hintergrund.
Wer war Harry Heusser?
Harry Heusser – auch als Heinrich Heusser bekannt – war ein österreichisch-schweizerischer Marinemaler und Grafiker. Er wurde 1886 im Hafenstädtchen Pula geboren und starb 1943 in Genf. Sein künstlerischer Schwerpunkt lag klar erkennbar auf Marine- und Hafenmotiven, die er mit feinem Gespür für Licht und Atmosphäre umsetzte.
Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Heusser zudem als Illustrator für mehrere Zeitungen, darunter das „Wiener Blatt”, die „Österreichs Illustrierte Zeitung” und die „Leipziger Illustrierte”. Diese Tätigkeit unterstreicht seinen Ruf als versierter Zeichner maritimer Szenen.
Marktpräsenz und Auktionsergebnisse
Heusser zählt nicht zu den großen Stars des Kunstmarkts, gilt aber als gut gefragter Nischenkünstler mit soliden Ergebnissen. Seine Werke tauchen regelmäßig in Auktionen auf – vor allem Ölgemälde mit maritimen Motiven sowie einige Aquarelle. Diese Punkte fassen seine Marktstellung zusammen:
- Spitzenergebnis: Im Dorotheum erzielte ein Werk von Heusser einen Zuschlag von 6.240 € – bei einem Schätzpreis von nur 800 bis 1.200 €.
- Auktionsvolumen: Preisarchive wie LotSearch listen rund 28 Lose, etwa acht davon mit dokumentierten Zuschlägen.
- Preisspanne: Viele Ergebnisse liegen im Bereich von etwa 100 bis 200 US-Dollar, einzelne deutlich darüber – je nach Qualität und Motiv.
Besonders wertvoll wird ein Stück, wenn es eine große, malerisch starke Öl-Marineszene mit historisch interessantem Motiv und guter Provenienz ist – idealerweise aus seinen bekannten Darstellungen der k.u.k. Flotte. Künstler-Ansichtskarten wie diese liegen preislich darunter und bewegen sich im Sammlersegment, in dem Zustand, Seltenheit und Motiv den Ausschlag geben.
Das Motiv: Eine impressionistische Hafenszene bei Nacht
Die Vorderseite zeigt eine impressionistische Hafenszene in atmosphärischer Dämmerungs- und Nachtstimmung. Heusser malte sie in einer gedämpften Palette aus Blau-, Grau- und Violetttönen, die er mit warmen gelben Lichtakzenten aufbricht. Die Signatur „Harry Heusser 09.” ist unten rechts sauber ins Wasser integriert, das Verlagszeichen „BK” findet sich unten links.
Der Vordergrund
Im Vordergrund fällt sofort ein einsamer Ruderer in hellem Gewand auf, der in einem kleinen, dunklen Boot sitzt. Sein Ruder greift ins Wasser, während Boot und Figur eine weiche, dunkle Spiegelung auf die ruhige Wasserfläche werfen.
Wasser und Schiffe
Der Mittelgrund lebt vom Spiel des Lichts auf dem glasigen Wasser. Diese Elemente prägen die Szene:
- eine ruhige Wasserfläche, die Schiffe, Himmel und Lichter spiegelt
- links ein großer, dunkler Dampfer mit hohem Schornstein und feiner weißer Rauchfahne
- gelbe Schiffslichter, die leuchtende senkrechte Reflexe auf das Wasser werfen
- in der Mitte und rechts eine Gruppe großer Segel- und gemischter Segel-Dampf-Schiffe mit hohen, blassen Masten und teils geborgenen Segeln
Der Hintergrund
Rechts im Hintergrund taucht die dunstige Silhouette eines Kuppelbaus auf – ein deutlicher Hinweis auf eine Hafenstadt-Kulisse. Darüber wölbt sich ein atmosphärisches Blaugrau, das mit dem Hafendunst verschmilzt. Insgesamt fängt das Motiv jene Übergangszeit der Schifffahrt ein, in der Dampf- und Segelschiffe die Hafenbecken noch gemeinsam prägten.
Die Rückseite: Offizielle Korrespondenzkarte des Österreichischen Lloyd
Was diese Karte über das reine Kunstmotiv hinaushebt, ist ihre Rückseite. Sie ist eine offizielle, ungebrauchte Korrespondenzkarte der Reederei Österreichischer Lloyd mit Sitz in Triest. Das klassische Layout ist zweigeteilt: links der Mitteilungsteil, rechts der Adressteil.
Die Flaggen
Oben in der Mitte, links der Trennlinie, wehen zwei Flaggen an einem leicht geneigten Fahnenmast:
- Obere Flagge: die k.u.k. Handelsflagge Österreich-Ungarns (verwendet 1869–1918), senkrecht geteilt – links das österreichische Rot-Weiß-Rot mit gekröntem Wappen, rechts das ungarische Rot-Weiß-Grün mit gekröntem Wappen.
- Untere Flagge: die Hausflagge des Österreichischen Lloyd – dunkel gehalten, mit zentralem Anker unter Kaiserkrone.
Firmensiegel, Adressfeld und Stempel
Weitere charakteristische Merkmale runden die Rückseite ab:
- Firmenlogo: ein geprägtes, doppelt geringtes Rundsiegel mit der Aufschrift „ÖSTERR. LLOYD” (oben) und „TRIEST” (unten), das Zentrum leer.
- Adress- und Markenfeld: oben rechts ein gepunktetes Markenfeld für die Briefmarke, darunter drei gepunktete Adresszeilen mit trennender Volllinie.
- Stempel: über das Markenfeld gesetzt ein violetter Rundstempel mit einer stilisierten Burg mit drei Türmen, die dem Hamburger Stadtwappen ähnelt.
Hinweis: Flaggen, Logo und Stempel werden nur so wiedergegeben, wie sie erkennbar sind.
Historischer Hintergrund
Um den Reiz dieser Karte richtig einzuordnen, lohnt ein Blick auf ihre drei historischen Ebenen: die Reederei, die Flagge und den Stempel.
Der Österreichische Lloyd, Triest
Der Österreichische Lloyd war eine der bedeutendsten Reedereien Österreich-Ungarns. Sein Hauptsitz lag in Triest, dem wichtigsten Kriegs- und Handelshafen der Monarchie. Die Gesellschaft betrieb ein weitverzweigtes Liniennetz und prägte die maritime Geschichte Mitteleuropas maßgeblich. Offizielle Korrespondenzkarten wie diese wurden Passagieren und Geschäftspartnern an Bord oder in den Agenturen zur Verfügung gestellt.
Die k.u.k. Handelsflagge
Die abgebildete Handelsflagge war von 1869 bis 1918 in Gebrauch und vereint die Wappen Österreichs und Ungarns. Sie ist ein unmittelbares Zeugnis der Doppelmonarchie und ein gesuchtes Motiv für Sammler österreichisch-ungarischer Geschichte.
Der violette Stempel
Der violette Rundstempel mit der dreitürmigen Burg deutet auf eine spätere Bearbeitung oder Kennzeichnung durch eine maritime oder postalische Stelle hin – möglicherweise in Hamburg. Er verleiht der Karte eine zusätzliche Spur ihrer Geschichte.

Details auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Motiv | impressionistische Hafenszene bei Nacht |
| Künstler | Harry Heusser (1886–1943), signiert „Harry Heusser 09.” |
| Entstehungsjahr | 1909 |
| Bilddetails | Ruderer, Dampf- & Segelschiffe, Schiffslichter, Kuppelbau |
| Verlagszeichen | „BK” (unten links) |
| Herausgeber | Österreichischer Lloyd, Triest |
| Flaggen | k.u.k. Handelsflagge, Lloyd-Ankerflagge |
| Logo | geprägtes Rundsiegel „ÖSTERR. LLOYD TRIEST” |
| Stempel | violetter Rundstempel (vermutlich Hamburg) |
| Epoche | k.u.k. Zeit (vor 1918) |
| Postalischer Zustand | ungelaufen (ungebraucht) |
Der Zustand – ehrlich beschrieben
Wie es sich für ein echtes Vintage-Sammlerstück gehört, zeigt die Karte eine altersgemäße Patina. Das gehört zu einem Original aus der Zeit vor 1918 dazu:
- ungelaufen – ungebraucht, ohne Briefmarke und ohne Beschriftung; die Rückseite trägt den violetten Rundstempel
- gealtertes Papier bzw. Karton mit zeittypischer Oberfläche
- leichte Verfärbungen und Vergilbung altersbedingt möglich
- weiche oder leicht bestoßene Ecken sowie leichte Randabnutzung durch Handhabung möglich
- vereinzelt feine Sprenkelungen (Stockflecken) möglich
- im Übrigen intakt und ohne grobe Beschädigungen
- gut erkennbares Kunstmotiv auf der Vorderseite, klares Prägesiegel auf der Rückseite
Farbabweichungen können durch Beleuchtung und Bildschirm entstehen. Maßgeblich für die Beurteilung bleiben stets das Originalstück und die zugehörigen Fotos.
Für diese Sammler besonders interessant
Weil die Karte so viele Ebenen vereint, spricht sie ganz unterschiedliche Sammlergruppen an:
- Kunstsammler: maritime Kunst, Hafenszenen und Seestücke, speziell von Harry Heusser
- Reederei-Fans: Österreichischer Lloyd und die Hafenstadt Triest
- Geschichtssammler: österreichisch-ungarische Geschichte und die k.u.k. Handelsflagge
- Schifffahrts- und Postkartensammler: Reederei-Korrespondenzkarten
- Freunde signierter Künstlerkarten: Kunstmotive mit Originalsignatur
- Sammler ungelaufener Belege: unbenutzte Ansichtskarten in originalem Zustand
Fazit: Kunst und Seefahrt in einem Stück
Diese Künstler-Ansichtskarte ist weit mehr als ein hübsches Motiv. Sie verbindet die atmosphärische Marinemalerei Harry Heussers mit der Geschichte einer der größten Reedereien der Doppelmonarchie und einem authentischen Zeugnis der k.u.k. Zeit. Genau an dieser Schnittstelle von maritimer Kunst, Reedereigeschichte und österreichisch-ungarischer Vergangenheit liegt ihr besonderer Reiz.
Welcher Aspekt fasziniert dich am meisten – die stimmungsvolle Hafenszene mit ihren Lichtreflexen, die Geschichte des Österreichischen Lloyd oder die seltene k.u.k. Handelsflagge auf der Rückseite? Stöbere gern weiter und tauche tiefer in die Welt historischer maritimer Sammlerstücke ein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt kein Preisgutachten dar. Die Beschreibung von Motiv, Künstler, Flaggen, Logo, Stempel und Zustand erfolgt nach bestem Wissen; einzelne Angaben können abweichen. Farbabweichungen sind durch Beleuchtung und Bildschirm möglich. Maßgeblich für die Beurteilung von Zustand und Echtheit sind das Originalstück sowie die zugehörigen Fotos.

