Ein Gruß von Hiddensee nach Buenos Aires: Die Echtfoto-Ansichtskarte von 1939
Manche Hiddensee Ansichtskarten sind nur ein schönes Bild. Diese hier ist ein ganzes Stück Geschichte. Eine Echtfoto-Karte der Insel Hiddensee, am 30. Juli 1939 per Luftpost nach Buenos Aires verschickt – nur wenige Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Wer genau hinsieht, entdeckt ein Inselmotiv, eine seltene Markenkombination und einen handschriftlichen Sütterlin-Gruß, der eine deutsch-argentinische Familiengeschichte erzählt.
In diesem Beitrag nehmen wir die Karte Schritt für Schritt auseinander: Motiv, Verlag, Marken, Stempel, Handschrift und historischer Hintergrund. So siehst du genau, warum gerade dieser Beleg für so viele Sammelgebiete spannend ist.
Das erwartet dich:
- Das Inselmotiv „Blick nach Süden“ im Detail
- Verlagsangaben und das Merkmal „ECHTE FOTOGRAFIE“
- Die Marken- und Stempelanalyse von 1939
- Der Sütterlin-Gruß von „Hete“ an Edgardo Barsdorf
- Der historische Kontext am Vorabend des Krieges
Warum diese Karte etwas Besonderes ist
Eine einzelne Ansichtskarte vereint hier gleich mehrere begehrte Sammelgebiete. Sie zeigt ein beliebtes Ostsee-Inselmotiv, ist eine echte Foto-Ansichtskarte und dokumentiert eine persönliche Auswanderer-Korrespondenz nach Argentinien. Dazu kommen postgeschichtlich reizvolle Details durch die Luftpost- und Reichsberufswettkampf-Marken.
Damit ist sie weit mehr als ein dekoratives Andenken. Sie ist ein authentisches Zeitdokument, das den Sommer 1939 festhält – kurz bevor sich die Welt für immer veränderte.

Das Motiv: „Insel Hiddensee – Blick nach Süden“
Die Vorderseite zeigt eine stimmungsvolle, schwarz-weiße bis sepiafarbene Echtfoto-Ansicht von Hiddensee mit Blick nach Süden. Das Bild ist klar aufgebaut und zieht den Blick fast wie von selbst in die Tiefe.
Vordergrund, Mittelgrund und Weite
Im Vordergrund liegt ein grasbewachsener Hang mit rauer Vegetation, links und rechts gerahmt von dunklen, silhouettenhaften Kiefern. Diese natürliche Vignette wirkt wie ein Fenster zur Landschaft. Im Mittelgrund folgen sanft rollende Felder und Wiesen, an deren Rand sich traditionelle Häuser mit Giebeldächern zwischen Baumgruppen einfügen.
Den Hintergrund bildet die weite Boddenlandschaft der Ostsee mit flachen Sandbänken, Watt und Prielen. In der Ferne erkennt man eine schmale Landzunge mit kleinen Gebäuden. Über allem liegt ein heller, leicht bedeckter Himmel mit weichen Wolken, die sich im Wasser spiegeln. Die typische Steilküste der Insel rundet das ruhige Inselmotiv ab.
Der Verlag: Chr. Kreitzler, Photo-Bavaria
Die Karte stammt vom Verlag Chr. Kreitzler, Photo-Bavaria in Kloster a. Hiddensee. Der gedruckte Verlagsvermerk verläuft senkrecht entlang der Mitteltrennlinie der Rückseite. Unten links trägt die Karte zusätzlich den Vermerk „ECHTE FOTOGRAFIE“ – ein wichtiges Bestimmungsmerkmal für Hiddensee- und Verlagssammler.
Dieser Verlag gab hochwertige Echtfoto-Ansichtskarten der Insel heraus. Karten mit dem Hinweis „ECHTE FOTOGRAFIE“ sind wegen ihrer feinen Bildschärfe und Detailtreue besonders geschätzt. Auffällig ist außerdem der dekorative gewellte Büttenrand, der für Echtfoto-Karten der Zeit typisch ist.
Die Marken: Mischfrankatur des Deutschen Reichs 1939
Oben rechts ist die Karte mit drei grünen Marken des Deutschen Reichs frankiert. Diese Kombination ist zeittypisch und für Philatelisten besonders reizvoll.
5-Pfennig-Luftpostmarke
Die grüne Luftpostmarke trägt die Aufschrift „Deutsches … Luftpost“ und zeigt einen stilisierten Adler über dem Globus. Sie passt perfekt zum Versand per Luftpost in Richtung Übersee.
Zwei 6-Pfennig-Gedenkmarken „Reichsberufswettkampf 1939“
Dazu kommen zwei identische grüne Gedenkmarken mit dem Banner „Reichsberufswettkampf 1939“, der Unterschrift „Deutsches Reich“ und der Wertziffer „6“. Das zeittypische Adler-Motiv mit Kranz und Zahnrad rundet das Bild ab. Diese Mischung aus Luftpost- und Gedenkmarken ist für Sammler des Deutschen Reichs sowie für Luftpost- und Übersee-Spezialisten besonders interessant.
Der Stempel: datiert auf den 30.7.1939
Über den Marken liegen runde, teilweise lesbare schwarze Entwertungsstempel mit der Datierung „30.7.39“. Damit lässt sich der Postlauf gut einordnen: Die Aufgabe erfolgte Ende Juli 1939 – nur rund fünf Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939.
Genau diese zeitliche Nähe macht den Beleg für Postgeschichts- und Zeitgeschichte-Sammler so spannend. Eine Karte mit klarem Datum aus diesem Sommer transportiert ein Stück gelebter Geschichte.
Die Handschrift: ein Sütterlin-Gruß von „Hete“
Die Rückseite ist als klassische Postkarte mit geteiltem Layout gestaltet. Links steht die Mitteilung, rechts die Adresse, getrennt durch den senkrechten Verlagsvermerk. Der Text ist in deutscher Sütterlin- beziehungsweise Kurrentschrift mit dunkelblauer Tinte verfasst.
Datum, Anrede und Inhalt
Die Mitteilung beginnt mit „August 1939“ und der Anrede „Lieber Edgar!“. Sinngemäß und soweit lesbar schreibt die Absenderin: „Einen Gruß von Hiddensee und von der deutschen Ostsee. Ich freue mich sehr, muss aber schwer eingestehen, dass ich unter Heimweh leide … Die Kinder sehen blendend aus, ich jetzt auch! Es war die richtige Erholung. Gestern haben wir einen Ausflug um die ganze Steilküste gemacht. Evelyn ist sehr verstimmt …“ Unterschrieben ist die Karte mit „Deine Hete“.
Der Empfänger in Buenos Aires
Adressiert ist die Karte an „Herrn Edgardo Barsdorf, c/o Breyer Hermanos, 757 Calle Sarmiento, Buenos Aires, Argentinien“. Hete schreibt ihrem „lieben Edgar“ also von ihrem Erholungsurlaub auf Hiddensee, von gesund aussehenden Kindern und einem Ausflug entlang der Steilküste – und gesteht zugleich ihr Heimweh. Dass die Karte an einen deutschen Empfänger in Argentinien ging, macht sie zu einem berührenden Familien- und Auswandererzeugnis kurz vor Kriegsbeginn.
Hinweis: Die Mitteilung ist handschriftlich in alter Sütterlin-/Kurrentschrift verfasst und nur teilweise sicher lesbar. Alle Angaben werden ausschließlich so wiedergegeben, wie sie erkennbar sind.
Der historische Hintergrund
Hiddensee – das „söte Länneken“
Hiddensee westlich von Rügen zählt zu den schönsten Inseln der deutschen Ostsee. Die autofreie Insel mit ihrer charakteristischen Steilküste, den weiten Boddenlandschaften und dem Ort Kloster war schon früh ein beliebtes Erholungs- und Künstlerziel. Echtfoto-Karten wie diese sind heute geschätzte Zeitzeugen der Inselgeschichte.
Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs
Verschickt wurde die Karte im Juli/August 1939, nur wenige Wochen vor Kriegsbeginn. Die verwendeten Marken und der Auslandsversand nach Südamerika spiegeln die Zeitumstände eindrücklich wider. Belege mit dieser zeitlichen Nähe zum Kriegsbeginn sind für Zeitgeschichts- und Postgeschichte-Sammler von besonderem Interesse.
Die Verbindung nach Argentinien
Die Adressierung „c/o Breyer Hermanos“ in Buenos Aires verweist auf die deutsch-argentinischen Verbindungen jener Jahre. Für Auswanderer- und Übersee-Sammler ist genau dieser Aspekt ein spannendes Detail, das die Karte über das reine Motiv hinaushebt.

Alle Details auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Motiv | „Insel Hiddensee. Blick nach Süden“ (Kiefern, Hügel, Häuser, Bodden, Steilküste) |
| Region | Insel Hiddensee, Ostsee |
| Verlag | Chr. Kreitzler, Photo-Bavaria, Kloster a. Hiddensee |
| Kartenart | Schwarz-Weiß-/Sepia-Echtfoto-Ansichtskarte („ECHTE FOTOGRAFIE“), Büttenrand |
| Absenderin | „Hete“ |
| Empfänger | Herrn Edgardo Barsdorf, c/o Breyer Hermanos, 757 Calle Sarmiento, Buenos Aires, Argentinien |
| Inhalt | Gruß von Hiddensee, Heimweh, Kinder, Ausflug Steilküste, „Evelyn ist sehr verstimmt“ |
| Briefmarken | grün 5 Pf Luftpost (Adler über Globus); 2× grün 6 Pf „Reichsberufswettkampf 1939“ |
| Stempel | Entwertung, datiert 30.7.39 |
| Handschrift | deutsche Sütterlin-/Kurrentschrift, dunkelblaue Tinte |
| Postalischer Zustand | gelaufen, beschrieben, frankiert, gestempelt |
| Epoche | 1939 (kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs) |
Der Zustand – ehrlich beschrieben
Wir zeigen die Karte als echtes Vintage-Sammlerstück mit altersgemäßer Patina. Sie ist gelaufen, beschrieben, frankiert und gestempelt – mit handschriftlichem Sütterlin-Gruß, grüner Luftpostmarke, zwei Reichsberufswettkampf-Marken und der Entwertung vom 30.7.1939.
- Gealtertes, creme- bis beigefarbenes Papier mit zeittypischer Oberfläche
- Dekorativer gewellter Büttenrand (deckled edges), typisch für Echtfoto-Karten der Zeit
- Leichte Alters- und Lagerspuren möglich, vereinzelt feine Sprenkelungen
- Leicht abgenutzte beziehungsweise bestoßene Ecken und Ränder durch Handhabung, jedoch intakt und ohne grobe Beschädigungen
- Gut erkennbares Echtfoto-Motiv auf der Vorderseite, lesbare Adresse, Marken und Stempel auf der Rückseite
Bitte beachten: Etwaige Fotos sind Bestandteil der Zustandsbeschreibung und zeigen das Original. Farbabweichungen können durch Beleuchtung und Bildschirm entstehen. Weitere Detailfotos senden wir gern auf Anfrage.
Für diese Sammler besonders interessant
Eine Karte, viele Zielgruppen: Genau diese Vielseitigkeit macht den Beleg so begehrt. Besonders spannend ist er für:
- Hiddensee- und Ostsee-Sammler: Inselmotiv, Steilküste und Boddenlandschaft
- Echtfoto-Sammler: hochwertige Fotokarten mit feiner Bildqualität
- Verlagssammler: Chr. Kreitzler, Photo-Bavaria, Kloster a. Hiddensee
- Philatelisten: Luftpost 5 Pf und Reichsberufswettkampf 6 Pf des Deutschen Reichs
- Luftpost- und Übersee-Sammler: Versand nach Argentinien
- Postgeschichte- und Zeitgeschichte-Sammler: Datierung kurz vor Kriegsbeginn 1939
- Auswanderer-Sammler: Postlauf von Deutschland nach Buenos Aires
- Familien- und Ahnenforscher: Bezug Hete, Edgardo Barsdorf und Breyer Hermanos
Gerade Echtfoto-Karten mit vollständigem Postlauf, Übersee-Bezug und einer so klaren zeitlichen Einordnung sind unter Sammlern besonders gesucht. Wer historische Ansichtskarten kaufen oder seine Sammlung gezielt ergänzen möchte, findet hier ein Stück, das gleich mehrere Geschichten auf einmal erzählt.
Hinweis: Alle Angaben zu Motiv, Verlag, Marken, Stempel und Handschrift werden ausschließlich so wiedergegeben, wie sie auf der Karte sichtbar und erkennbar sind.

