Geografisch lag Osternothafen östlich der Swine auf der Insel Wollin, nahe dem bekannten Leuchtturm und der Ostmole.
Ursprünglich ein eigenständiger kleiner Fischer- und Badeort, wurde die Gemeinde im Jahr 1939 nach Swinemünde eingemeindet. Dies harmoniert perfekt mit dem handschriftlichen Datum auf der linken Seite der Karte, welches den 19. 8. 30 ausweist, als der Ort noch unter diesem eigenständigen Namen geführt wurde. Heute befindet sich auf diesem geschichtsträchtigen Areal das moderne Industrie- und Hafengebiet des polnischen Świnoujście, zu dem unter anderem das markante Flüssiggasterminal gehört.

Seltene Ansichtskarte: Leuchtturm Swinemünde-Osternothhafen von 1930

Manche Leuchtturm Sammlerstücke erzählen nur eine Geschichte – diese Ansichtskarte erzählt gleich fünf. Die originale Karte des berühmten Leuchtturm von Swinemünde-Osternothhafen (heute Świnoujście, Polen) vereint ein bekanntes Ostsee-Motiv, ein technisch faszinierendes Bauwerk, eine klassische Hindenburg-Marke, einen postgeschichtlich seltenen Ortsstempel und eine persönliche Urlaubskorrespondenz aus dem Jahr 1930. Damit ist sie weit mehr als eine dekorative Ansicht – sie ist ein authentisches Zeitdokument der Weimarer Republik.

In diesem Beitrag schauen wir genau hin und ordnen jedes Detail ein. Das nimmst du mit:

  • Warum diese Karte gleich mehrere Sammelgebiete bedient
  • Was die seltene Doppel-H-Schreibweise „NOTHHAFEN” so besonders macht
  • Wie du Marke, Stempel und Handschrift richtig einordnest
  • Welche historische Geschichte hinter Ort und Leuchtturm steckt

Warum diese Leuchtturm Karte so besonders ist

Der Reiz dieses Stücks liegt in der Verdichtung. Auf einer einzigen Karte treffen Motive zusammen, die sonst einzeln gesammelt werden. Genau diese Kombination macht sie für viele Sammlergruppen gleichzeitig interessant.

  • Berühmtes Motiv: der Leuchtturm Swinemünde-Osternothhafen, einer der höchsten Backsteinleuchttürme der Welt.
  • Aufgedruckte technische Details: „300 Stufen” und „Blinkfeuer 20 Seemeilen sichtbar”.
  • Frühe Weimar-Frankatur: eine grüne 8-Pf-Hindenburg-Marke „Deutsches Reich”.
  • Seltener Stempel: „Swinemünde-Osternothhafen” mit historischer Doppel-H-Schreibweise „NOTHHAFEN” vom 19.8.1930.
  • Verlagsangabe: Kunstverlag M. Hertzfeldt, Stettin, No. 2039.
  • Postgeschichtliches Highlight: ein Ortsname aus der Zeit vor der Eingemeindung 1939.

Kurz gesagt: Wer Leuchttürme, Postgeschichte oder Ostsee-Motive sammelt, findet hier alles auf einmal.

Die Vorderseite: Leuchtturm, 300 Stufen und ein persönlicher Gruß

Die Bildseite zeigt eine atmosphärische Fotoaufnahme des Turms, eingebettet in dichte, dunkle Bäume. Das Motiv wirkt ruhig und maritim zugleich.

Der Turm und das Wärterhaus

  • Der Leuchtturm: ein hoher, historischer Backsteinturm mit dekorativer Galerie unter dem Laternenraum und einer breiteren, ins Runde übergehenden Basis. An der Spitze weht eine kleine Fahne.
  • Das Wärterhaus: am Fuß des Turms steht ein zweistöckiges Haus mit Giebeldach und dekorativem Fachwerk.
  • Die Umgebung: ein Holzzaun bzw. Gattertor führt im Vordergrund zum Haus, dahinter ein heller, leicht bewölkter Himmel.

Am rechten Bildrand sind die Angaben „Swinemünde-Osternothafen Leuchtturm” sowie „300 Stufen – Das Blinkfeuer ist 20 Seemeilen sichtbar” aufgedruckt. Diese kleinen technischen Hinweise machen die Karte für Leuchtturm-Fans besonders reizvoll.

Der handschriftliche Gruß von Kurt Klawon

Über dem Himmelbereich findet sich eine handschriftliche Zeile: „Viele Grüße sendet Ihnen Kurt Klawon”. Ein persönlicher Reisegruß direkt auf der Bildseite – ein lebendiges Detail, das die technische Ansicht in ein echtes Erinnerungsstück verwandelt.

Die Briefmarke: 8 Pfennig Hindenburg „Deutsches Reich”

Ein schönes philatelistisches Detail sitzt in der oberen rechten Ecke der Adressseite: eine grüne 8-Pfennig-Marke mit dem Linksprofil von Reichspräsident Paul von Hindenburg und der Aufschrift „Deutsches Reich”.

  • Motiv: Linksprofil Paul von Hindenburg
  • Ausgabe: typische Gebrauchsmarke der Weimarer Republik (um 1930)
  • Position: obere rechte Ecke, mit Perforation
  • Entwertung: durch den schwarzen Rundstempel teils überstempelt

Quick erklärt – Frankatur: Die Frankatur ist das aufgeklebte Porto, also die Briefmarke, mit der eine Sendung freigemacht wird. Bei Sammlern zählt nicht nur die Marke selbst, sondern auch, wie sauber sie zentriert sitzt und wie klar sie entwertet wurde.

Auf der Leuchtturm Postkarte IMG_20260625_0002.jpg ist der Rundstempel im oberen rechten Bereich sehr gut zu erkennen und nennt den Hafen bzw. Ortsteil Swinemünde-Osternothhafen.
Bei genauerem Hinsehen fällt im unteren Teil des Stempels eine interessante Besonderheit auf: Das Wort wird dort tatsächlich mit einem Doppel-H als …NOTHHAFEN geschrieben. Diese Schreibweise erklärt sich durch die historische deutsche Rechtschreibung der damaligen Zeit. Der Name setzt sich aus den Bestandteilen Ost, Noth (die ältere Schreibweise für Not, im Sinne eines Schutz- oder Nothafens) und Hafen zusammen, wodurch im Stempelbild das charakteristische „THH“ entsteht.

Der seltene Stempel: „SWINEMÜNDE-OSTERNOTHHAFEN 19.8.30″

Das eigentliche Highlight für Postgeschichte-Sammler ist der Rundstempel im oberen rechten Bereich. Er ist besonders gut erkennbar und nennt den Ortsteil Swinemünde-Osternothhafen samt Datum „19.8.30″.

Warum das „THH” entsteht

Bei genauem Hinsehen fällt eine Besonderheit auf: Das Wort erscheint mit Doppel-H als „…NOTHHAFEN”. Diese Schreibweise erklärt sich durch die historische deutsche Rechtschreibung jener Zeit. Der Name setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

  • Ost – die geografische Lage östlich der Swine
  • Noth – die ältere Schreibweise für „Not”, im Sinne eines Schutz- oder Nothafens
  • Hafen – der Hafen selbst

So entsteht im Stempelbild das charakteristische „THH” – ein für Sammler ungewöhnliches und gesuchtes Detail.

Quick erklärt – Ortsstempel: Ein Ortsstempel (auch Rundstempel) entwertet die Marke und belegt zugleich Ort und Datum der Aufgabe. Stempel mit Ortsnamen, die es heute so nicht mehr gibt, sind postgeschichtlich besonders begehrt.

Postgeschichtlich lässt sich der Lauf damit klar einordnen: Abgang aus Swinemünde-Osternothhafen am 19. August 1930 – mit einem Stempelnamen, der heute Geschichte ist.

Die handschriftliche Nachricht: Albert an Familie Schiersel

Die Rückseite ist als klassische Postkarte mit geteiltem Layout gestaltet: Mitteilung links, Adresse rechts. Geschrieben ist die Nachricht in deutscher Kurrent- bzw. Sütterlinschrift.

  • Datum: „Swinemünde, den 19. 8. 30″
  • Anrede: „Liebe Eltern und Geschwister!”
  • Inhalt: ein persönlicher Urlaubsgruß. Der Schreiber bedankt sich für einen lieben Brief, freut sich auf die baldige Heimreise und kündigt weitere Sendungen an. Er erwähnt sinngemäß auch eine Behandlung wegen seines Magens.
  • Unterschrift: „Euer Albert”

Adressiert ist die Karte an „Familie Albin Schiersel – Freiberg, Sa. – Am Gymnasium 2″. Sie ging also nach Freiberg in Sachsen – ein schöner Bezug für Sachsen- und Heimatsammler sowie für Ahnenforscher.

Quick erklärt – Kurrentschrift: Die Kurrent- oder Sütterlinschrift war bis Mitte des 20. Jahrhunderts die übliche deutsche Schreibschrift. Heute ist sie für viele schwer lesbar – genau das macht handgeschriebene Karten zu kleinen Zeitkapseln.

Historischer Hintergrund: Leuchtturm, Ort und Gegenwart

Der Leuchtturm von Swinemünde-Osternothhafen zählt zu den höchsten Backsteinleuchttürmen der Welt. Mit rund 65 Metern Höhe und den auf der Karte erwähnten 300 Stufen war er ein weithin sichtbares Wahrzeichen an der Ostsee – sein Blinkfeuer reichte laut Aufdruck 20 Seemeilen weit.

Osternothhafen selbst lag östlich der Swine auf der Insel Wollin, direkt beim Leuchtturm und der Ostmole. Der Ort begann als kleiner Fischer- und Badeort und blieb lange eine eigenständige Gemeinde. Erst 1939 wurde er nach Swinemünde eingemeindet.

Genau diese Phase der Selbstständigkeit dokumentiert die Karte: Der Stempelname mit Doppel-H und das handschriftliche Datum vom 19. August 1930 verweisen gemeinsam auf einen Ort, den es in dieser Form heute nicht mehr gibt. Auf dem einstigen Areal prägt inzwischen das moderne Industrie- und Hafengebiet von Świnoujście mit seinem LNG-Terminal das Bild – ein eindrucksvoller Kontrast zwischen historischer Postkartenidylle und heutiger Hafenwirtschaft.

Leuchtturm Details auf einen Blick

Merkmal Information
Motiv Leuchtturm Swinemünde-Osternothhafen mit Wärterhaus
Besonderheit „300 Stufen / Blinkfeuer 20 Seemeilen sichtbar”
Ort Swinemünde-Osternothhafen (heute Świnoujście, Polen)
Verlag Kunstverlag M. Hertzfeldt, Stettin
Karten-Nr. No. 2039
Kartenart Foto-Ansichtskarte (gelaufen)
Absender „Kurt Klawon” (Gruß Vorderseite) / „Albert” (Mitteilung)
Empfänger Familie Albin Schiersel, Freiberg Sa., Am Gymnasium 2
Frankatur 8 Pf grün „Deutsches Reich” (Hindenburg)
Stempel rund „Swinemünde-Osternothhafen 19.8.30″ (mit Doppel-H „NOTHHAFEN”)
Datierung 19. August 1930
Postalischer Zustand gelaufen, beschrieben, frankiert, gestempelt
Epoche Weimarer Republik (1930), vor Eingemeindung 1939

Zustand – ehrlich beschrieben

Die Karte wird als echtes Vintage-Sammlerstück mit altersgemäßer Patina eingeordnet. Hier die wichtigsten Punkte:

  • gelaufen, beschrieben und frankiert – mit handschriftlichem Gruß auf der Vorderseite, Familiennachricht, 8-Pf-Marke und gut erkennbarem Rundstempel
  • gealtertes Papier mit zeittypischer leichter Verfärbung
  • vereinzelt leichte Verschmutzungen, kleine Tintenflecken bzw. Sprenkelungen in den Rändern
  • leicht abgerundete bzw. bestoßene Ecken, jedoch intakt und ohne grobe Beschädigungen
  • gut erkennbares Motiv auf der Vorderseite; lesbare Adresse und klar lesbarer Stempel auf der Rückseite

Hinweis: Beigefügte Fotos sind Teil der Zustandsbeschreibung und zeigen das Original. Farbabweichungen können durch Beleuchtung und Bildschirm entstehen.

Für diese Sammler besonders interessant

Die Karte spricht mehrere Sammelgebiete gleichzeitig an. Vielleicht erkennst du dich in einer dieser Gruppen wieder:

  • Leuchtturm-Sammler: einer der höchsten Backsteinleuchttürme der Welt
  • Ostsee- und Świnoujście-Sammler: beliebtes Ostseebad, Ortsteil Osternothhafen
  • Philatelisten: 8 Pf grün Hindenburg, Weimarer Republik
  • Postgeschichte-Sammler: seltener Stempel „Osternothhafen” mit Doppel-H, vor 1939
  • Verlagssammler: Kunstverlag M. Hertzfeldt, Stettin
  • Heimat- und Ahnenforscher: Bezug Freiberg/Sachsen, Familie Schiersel

Häufige Fragen

Warum ist der Doppel-H-Stempel so gesucht? Weil er die ältere Rechtschreibung „NOTHHAFEN” zeigt und einen Ortsnamen dokumentiert, der nach der Eingemeindung 1939 verschwand.

Macht der handschriftliche Gruß die Karte wertvoller? Für viele Sammler ja – eine gelaufene, beschriftete Karte gilt als authentisches Zeitdokument, nicht nur als Bildträger.

Fazit Leuchtturm: Ein vielschichtiges Stück Ostseegeschichte

Diese Ansichtskarte verbindet ein ikonisches Leuchtturm-Motiv, eine klassische Hindenburg-Frankatur, einen postgeschichtlich seltenen Doppel-H-Stempel und eine persönliche Urlaubsnachricht zu einem stimmigen Ganzen. Gerade Leuchtturm-Motive mit frühem Postlauf und reizvollen Ortsstempeln sind unter Sammlern besonders gefragt. Wer ein authentisches Zeitdokument der Weimarer Republik sucht, findet hier ein Stück, das gleich mehrere Sammelgebiete bedient.

Hast du Fragen zu Zustand, Verlag, Stempel, Briefmarke oder Handschrift? Schreib deine Einschätzung oder deine Fragen gerne in die Kommentare – wir tauschen uns gern mit dir über dieses besondere Sammlerstück aus.

Von Igor Adolph

Igor Adolph ist Unternehmer, Blogger und E-Commerce-Experte aus Mülheim an der Ruhr. Auf datenstaubsauger.de schreibt er über Kryptowährungen, Wasserstofftechnologie, Domainhandel und neue Geschäftsmodelle. Als ehemaliger Geschäftsführer der e-Trado GmbH verbindet er langjährige Praxiserfahrung mit einem Blick für digitale Trends.

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