Nel ASA & Wasserstoff: Gedanken zu Chancen, Risiken und Squeeze-Szenarien
Ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit Wasserstoffaktien und habe mir über die Zeit eine größere Position bei Nel ASA aufgebaut. Nel ist ein norwegischer Spezialist für Elektrolyseure und Wasserstoffinfrastruktur, der sich inzwischen als reiner „Pure Player“ im globalen H₂-Markt positioniert.
Die europäische Politik setzt mit ihrer Wasserstoffstrategie und REPowerEU massiv auf erneuerbaren Wasserstoff. Ziel ist es, Industrie, Verkehr und Energieversorgung nachhaltig zu dekarbonisieren. Das ist der langfristige Rückenwind, auf den ich setze – auch wenn der Weg an der Börse bislang für viele Anleger eher schmerzhaft war.
In diesem Artikel teile ich meine persönliche Strategie, werfe einen Blick auf die fundamentale Lage und spiele theoretische Szenarien durch, die den Kurs bewegen könnten.
Meine persönliche Ausgangslage im Depot
Meine Strategie bei Nel ASA basierte bisher auf antizyklischem Handeln. Ich habe bei Kursrückgängen mehrfach nachgekauft, um meinen durchschnittlichen Einstandskurs zu drücken. Aktuell ist jedoch keine weitere Aufstockung geplant.
Das Risiko in diesem Sektor ist hoch genug, und Nel bildet bereits einen deutlichen „Wasserstoff-Hebel“ in meinem Depot. Zusätzlich halte ich Plug Power als zweite H₂-Spekulation, plane aber auch dort momentan keine weiteren Käufe.
Strategisch beobachte ich Initiativen wie E4E („Electrolysers for Europe“) sehr genau. Hier versucht Nel zusammen mit anderen europäischen Herstellern, die heimische Elektrolyseur-Industrie gegen internationale Konkurrenz zu stärken.

Fundamentale Lage von Nel ASA: Ein kurzer Abriss
Nel ist heute ein reines Technologie-Unternehmen mit Fokus auf alkalische und PEM-Elektrolyseure sowie H₂-Betankungslösungen. Die Firma steckt mitten in einem tiefgreifenden Turnaround.
- Volatile Zahlen: Für 2025/26 erwarte ich volatile Umsätze, schwache Margen und weiterhin negative Ergebnisse.
- Hohe Investitionen: Parallel wird massiv in Technologie, Kapazitäten und Skalierung investiert.
- Langfristiges Ziel: Der Fokus liegt auf der Kostensenkung beim grünen Wasserstoff (LCOH) und dem Aufbau von Gigafactory-Kapazitäten. Das Ziel ist, ab 2026/27 Hunderte von Megawatt pro Jahr liefern zu können.
Mögliche Katalysatoren für einen Nel Asa „Squeeze“
Hinweis: Dies sind reine Gedankenspiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Eintrittswahrscheinlichkeit.
Im Folgenden liste ich Szenarien auf, die theoretisch einen stärkeren Kurssprung oder sogar eine Art Short-Squeeze auslösen könnten.
1. Bedeutende technologische Durchbrüche
Starke Effizienzsprünge bei neuen Elektrolyseur-Generationen könnten die Produktionskosten für grünen Wasserstoff deutlich senken. Auch validierte Großprojekte (Pilotanlagen im zweistelligen MW-Bereich), die stabil laufen und niedrige LCOH-Kosten beweisen, wären ein starkes Signal an den Markt.
2. Großaufträge und volle Projektpipeline
Der Markt wartet auf Auftragseingänge im Bereich von 100–200 MW und darüber, die aus der bisherigen Projektpipeline in feste, verbindliche Bestellungen übergehen. Langfristige Rahmenverträge mit großen Industrie- oder Energiepartnern würden Nel zudem eine hohe Auslastung seiner Kapazitäten sichern.
3. Politische und regulatorische Impulse in der EU
Konkrete EU-Programme und nationale Förderungen könnten Investitionsentscheidungen vorziehen. Eine klare Bevorzugung europäischer Anbieter bei öffentlichen Ausschreibungen (z.B. durch den Net-Zero Industry Act oder ähnliche Instrumente) würde Playern wie Nel einen entscheidenden Vorteil gegenüber der chinesischen Konkurrenz verschaffen.
4. Die Rolle von E4E und der europäischen Industrie
Eine erfolgreiche Koordination innerhalb von E4E ist essenziell: Gemeinsame Lobbyarbeit, Standardisierung und der Ausbau der europäischen Produktionskapazität auf über 10 GW pro Jahr sind die Ziele. Wir brauchen deutliche Signale der EU-Kommission, dass heimische Elektrolyseur-Hersteller als strategische Industrie betrachtet und geschützt werden.
5. Verbesserung der Finanzzahlen
Schrittweise Reduktion der Verluste, steigende Bruttomargen und ein glaubwürdiger Pfad in Richtung Breakeven sind unabdingbar. Eine klar kommunizierte Roadmap, die zeigt, dass der Cash-Burn unter Kontrolle ist und weniger Verwässerung durch Kapitalerhöhungen droht, würde das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.
6. Short-Interest und Markttechnik
Eine Kombination aus hohem Short-Interest und geringem Handelsvolumen kann wie eine gespannte Feder wirken. Kommt in solch einer Situation eine überraschend positive Nachricht (Großauftrag, Förderzusage, strategischer Partner), sind Shortseller eventuell gezwungen, ihre Positionen einzudecken. Das kann einen Kurssprung temporär massiv verstärken.
7. Unternehmensereignisse (Corporate Actions)
Außerordentliche Hauptversammlungen, strategische Partnerschaften (z.B. Ankerinvestoren aus der Industrie) oder Strukturmaßnahmen können die Wahrnehmung der Aktie abrupt verändern. Entscheidend ist, dass solche Ereignisse echte wirtschaftliche Substanz haben – etwa neue Finanzierungen zu guten Konditionen oder Joint Ventures – und nicht nur Symbolpolitik sind.
Persönliches Nel Asa Fazit
Ich glaube weiterhin an Wasserstoff als langfristigen, unverzichtbaren Baustein der Energiewende. Nel ASA sehe ich als einen der interessantesten, aber auch risikoreichsten Player in diesem Markt.
Gleichzeitig ist mir bewusst, dass viele der oben beschriebenen Punkte Spekulationen sind. Weder ein Short-Squeeze noch ein bestimmter Kurs – etwa die magische 1-Euro-Marke – sind garantiert.
⚠️ Disclaimer & Wichtiger Hinweis
Keine Anlageberatung: Dieser Artikel stellt ausschließlich meine persönlichen Überlegungen, Meinungen und Spekulationen dar. Er dient lediglich zu Informations- und Unterhaltungszwecken.
Keine Kaufempfehlung: Die Inhalte sind ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Handel mit Wertpapieren oder anderen Finanzinstrumenten.
Hohes Risiko: Investitionen in Aktien, insbesondere in volatile Sektoren wie Wasserstoff, sind mit erheblichen Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Jede Leserin und jeder Leser handelt auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung. Bitte stellen Sie eigene Recherchen an und prüfen Sie Ihre individuelle Risikotragfähigkeit sorgfältig, bevor Sie Investitionsentscheidungen treffen.
Interessenskonflikt: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels halte ich selbst Aktien auch von Nel ASA und Plug Power. Ich bin daher in diesen Werten investiert und es könnte ein Interessenkonflikt vorliegen, da ich von einer positiven Kursentwicklung profitieren würde.

