EspoCRM: Open Source CRM mit DSGVO Fokus – eine Chance für Vereine und Genossenschaften
Wer Kundendaten, Mitglieder oder Projekte professionell managen will, landet schnell beim Thema CRM. Viele Lösungen kommen aus den USA und laufen ausschließlich in der Cloud – spannend, aber oft heikel, wenn Datenschutz, Kostenkontrolle und Unabhängigkeit im Vordergrund stehen. EspoCRM setzt an genau diesem Punkt an: Open Source, selbst hostbar, mit Fokus auf Datenhoheit und einem Lizenzmodell, das auch für Vereine und eingetragene Genossenschaften interessant sein kann.
Was ist EspoCRM und warum ist es Open Source?
EspoCRM ist ein webbasiertes CRM System, das Kontakte, Unternehmen, Aktivitäten, Vertriebspipelines, Support Fälle und Projekte in einer Oberfläche bündelt. Die Community Version steht unter der AGPLv3 Lizenz. Der Quellcode liegt frei auf GitHub und kann von eigenen Admins oder Dienstleistern angepasst, erweitert und auf dem eigenen Server betrieben werden. Damit unterscheidet sich Espo deutlich von klassischen SaaS CRMs, die nur als Mietlösung im Rechenzentrum des Anbieters laufen.
DSGVO und Hosting: Datenhoheit statt Blackbox
Entscheidend für viele Organisationen ist die Frage: Ist EspoCRM DSGVO konform und kann ich es in der EU hosten? Die kurze Antwort: Ja – wenn man es richtig aufsetzt. EspoCRM bringt eigene Funktionen für Datenschutzmanagement mit, etwa die Kennzeichnung personenbezogener Felder, Prozesse zur Löschung oder Anonymisierung, Protokollierung und Export von Daten für Auskunftsersuchen. Ob der Betrieb DSGVO konform ist, hängt vom Setup ab: Bei Self Hosting oder einem Hoster mit Standort in Deutschland/EU bleibt die volle Kontrolle über Speicherort, Zugriffsrechte und Auftragsverarbeitungsverträge.
Für alle, die keine eigene Infrastruktur betreiben möchten, gibt es spezialisierte Anbieter, die EspoCRM explizit als „DSGVO konformes CRM Hosting“ in deutschen oder europäischen Rechenzentren vermarkten. Damit lässt sich die Kombination aus Open Source Transparenz und rechtssicherem Hosting relativ schlank realisieren.
EspoCRM für Vereine und Genossenschaften
Spannend wird EspoCRM dort, wo klassische CRM Pakete zu teuer oder zu unflexibel sind: bei Vereinen, Verbänden, Stiftungen und Genossenschaften. Die Software erlaubt frei definierbare Entities und Felder – aus „Leads“ und „Opportunities“ können so problemlos „Mitglieder“, „Beitritte“, „Arbeitsgruppen“, „Projekte“ oder „Anteile“ werden. In der Praxis wird EspoCRM bereits von Non Profits und Mitgliedsorganisationen zur Verwaltung von Mitgliedern, Spendern und Ehrenamtlichen eingesetzt.
Für eine eG kann EspoCRM mehrere Rollen übernehmen:
-
- Mitgliederverwaltung (Stammdaten, Anteile, Beiträge, Rollen, Gremien).
- Kommunikation (Newsletter Verteiler, Kampagnen, Serienmails, Gesprächs Historie).
- Projekt und Arbeitsgruppen Management (Tasks, Pipelines, Kanban Boards je Initiative).

- Dokumentation von Beschlüssen, Terminen, Versammlungen und Fristen.
Durch Self Hosting oder EU Hosting lässt sich zudem klar kommunizieren: „Unsere Mitglieder und Projekt Daten liegen im genossenschaftlichen Einflussbereich und nicht irgendwo in einem US Rechenzentrum.“ Gerade für Genossenschaften, die sich gerne auf Werte wie Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung berufen, passt diese Datenhoheit sehr gut zur Außendarstellung.
Lizenzmodell: AGPLv3 plus kommerzielle Option
Die Community Version von EspoCRM steht unter der AGPLv3: Wird der Code verändert und als Online Dienst bereitgestellt, müssen die Änderungen grundsätzlich wieder als Quellcode zugänglich gemacht werden. Für viele Vereine und Genossenschaften ist das kein Problem – im Gegenteil, es passt zur Idee gemeinsamer Wertschöpfung, wenn Anpassungen der Community zugutekommen. Wer auf Basis von EspoCRM eigene, proprietäre Produkte bauen will, kommt jedoch früher oder später an die Grenzen der AGPL.
Dafür existiert eine kommerzielle Lizenz, die direkt beim Hersteller erworben werden kann. Sie erlaubt, EspoCRM als Grundlage einer geschlossenen Branchenlösung zu nutzen, ohne den eigenen Code offenlegen zu müssen – wichtig für Agenturen, SaaS Anbieter oder Genossenschaften, die spezialisierte Softwarelösungen an Dritte verkaufen möchten. Für eine eG kann das ein strategisches Asset sein: Man entwickelt genossenschaftliche Module oder Plattformen und schützt gleichzeitig das eigene geistige Eigentum, wenn dies für das Geschäftsmodell notwendig ist.
Eigene Module und Schnittstellen: Darf eine eG damit Geld verdienen?
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass eine Genossenschaft eigene Espo Module, Integrationen oder Branchenlösungen entwickelt und verkauft. Unter der AGPLv3 dürfen solche Erweiterungen auch kommerziell vertrieben werden, solange die Lizenzbedingungen eingehalten werden – insbesondere, dass Nutzer des daraus entstehenden Online Dienstes Zugriff auf den relevanten Quellcode erhalten. Wer diesen Offenlegungspflichten ausweichen möchte, kann die kommerzielle Lizenz nutzen und damit proprietäre Erweiterungen ohne Code Freigabe vertreiben.
Praktisch bedeutet das:
-
- Interne eG Lösung (Mitglieder CRM, interne Tools) → Community Version reicht meist aus.
- eG als Software Anbieter (Branchen CRM für Dritte) → kommerzielle Lizenz gibt Rechtssicherheit und schützt die eigenen Produkte.
Für die Außendarstellung kann eine eG diese Kombination kommunizieren: Open Source Basis für Transparenz und Prüfbarkeit, kommerzielle Lizenz für professionelle Produktentwicklung und klare IP Regeln.
Fertige Erweiterungen und Module für EspoCRM
Niemand muss bei null anfangen: Der Hersteller bietet eine Reihe offizieller Erweiterungen an, darunter Advanced Pack, Sales Pack, Reporting Erweiterungen, Projektmanagement Module sowie Integrationen in MailChimp, VoIP Systeme, Outlook, Google Kalender und andere Dienste.[14] Diese Erweiterungen werden kommerziell lizenziert und pro Instanz aktiviert – ein pragmatischer Weg, EspoCRM ohne eigene Entwicklungsabteilung aufzurüsten.
Zusätzlich existieren Drittanbieter Marktplätze wie EspoERP, die weitere Module bereitstellen: von Warenwirtschafts und Dokumentenmanagement Funktionen bis hin zu speziellen Branchenlösungen. Für Vereine und eG kann das bedeuten: Statt alles selbst zu programmieren, werden gezielt Module zugekauft, während nur die genossenschaftsspezifischen Besonderheiten individuell entwickelt werden.
Open Source Alternativen zu EspoCRM im Überblick
EspoCRM ist nicht die einzige frei verfügbare CRM Lösung. Wer sich tiefer mit dem Thema beschäftigt oder bereits spezifische Anforderungen hat, sollte auch andere Open Source Systeme und proprietäre Alternativen kennen.
| System | Lizenz / Typ | Stärken |
|---|---|---|
| SuiteCRM | Open Source, GPL | Sehr umfangreich, stark anpassbar, klassischer CRM Ansatz – oft als Enterprise Alternative zu Salesforce im Self Hosting genutzt. |
| YetiForce | Open Source | Moderne Oberfläche, viele Module (Vertrieb, Support, Projekte), stark konfigurierbar; aus Polen stammendes Projekt mit EU Hosting Optionen. |
| Odoo CRM | Open Source + kommerzielle Edition | Teil einer umfassenden ERP Suite; sinnvoll, wenn CRM eng mit Buchhaltung, Lager, Shop und Projektverwaltung verzahnt werden soll. |
| Vtiger (Community) | Open Source | Umfasst Marketing, Vertrieb und Support, mit Cloud Angeboten und selbst gehosteter Variante. |
| Zoho CRM | Proprietär, Cloud | Viele Integrationen, gutes Preis Leistungs Verhältnis und modulare Pakete – aber Daten liegen im Zoho Rechenzentrum. |
| HubSpot CRM | Proprietär, Cloud | Kostenloser Einstieg, starke Marketing Automation und Sales Tools, schnell wachsender Funktionsumfang. |
| Salesforce | Proprietär, Cloud | Quasi Standard im Enterprise Segment, riesiges Ökosystem, aber komplex und teuer; eher für Großunternehmen geeignet. |
| Bitrix24 | Proprietär, auch On Prem | Kombiniert CRM mit Projektmanagement, Kommunikation und Intranet Funktionen; verfügbar als Cloud Dienst und als selbst hostbare Version. |
Für datenstaubsauger.de lässt sich daraus gut ein Fazit ziehen: EspoCRM positioniert sich zwischen den mächtigen, aber schwergewichtigen „Alleskönnern“ wie SuiteCRM oder Odoo und den stark marketing getriebenen Cloud Anbietern wie HubSpot oder Salesforce – mit einem klaren Fokus auf schlanke Architektur, Open Source und Datenhoheit.
Fazit: Wann lohnt sich Open Source EspoCRM – gerade für eG?
EspoCRM ist besonders dann attraktiv, wenn Datenschutz, Unabhängigkeit und Anpassbarkeit wichtiger sind als eine riesige All in One Suite. Vereine und Genossenschaften profitieren von der Möglichkeit, Mitglieder , Projekt und Kommunikationsdaten in einem System zu bündeln und dennoch selbst zu bestimmen, wo die Daten liegen und wer Zugriff hat. Das Lizenzmodell – AGPL plus Option auf eine kommerzielle Lizenz – eröffnet zudem Spielräume für genossenschaftliche Geschäftsmodelle rund um eigene Module, Schnittstellen und Branchenlösungen.
Für eine eG, die ihre digitale Infrastruktur wertebasiert aufbauen will, kann EspoCRM damit mehr sein als „nur ein weiteres CRM“: Es wird zum Baustein einer IT Strategie, in der Selbstbestimmung, Transparenz und gemeinschaftliche Entwicklung nicht nur im Leitbild stehen, sondern auch in der technischen Basis sichtbar werden.

